a Jh. Ges, Naturkde, Württemberg 1 152. Jahrgang | Stuttgart, 15, Dezember 1996 |
Bemerkenswerter Nahrungsvorrat einer Gelbhalsmaus
(Apodemus flavicollis)
Von HAns SMETTAN, Ostfildern
Mit 1 Abbildung und 1 Tabelle
Der Vorfall
Als ich am 6. September 1995 die Geschirrhütte meines Kleingartens in
Wolfschlugen, Kreis Esslingen, aufschloß, fielen mir einige heruntergefallene
Plastiktüten auf, die auf einem Regalbrett in 1,3 m Höhe gestapelt lagen.
Dann entdeckte ich, daß unter einigen Kunststofftüten ein großer
Haufen an Haselnüssen lag. Außerdem waren einige kleine, dünnwandige
Plastikbeutel zerbissen. Kot fand sich nur auf dem Regalbrett und nicht
zwischen den Nüssen.
Beim Einsammeln der Früchte entdeckte ich auch den „Täter“: Eine
Gelbhalsmaus lag tot in einem Eimer, der am Boden stand. Nach ihrem
Erhaltungszustand war sie vor ein bis drei Tagen gestorben.
Nun ist zwar bekannt, daß Wald- und Gelbhalsmäuse keine Winterschläfer
sind und deshalb Nahrungsvorräte anlegen, da sich jedoch im Handbuch
der Säugetiere Europas (NIETHAMMER u. KrapP 1978: 333) nur eine
einzige Angabe fand, nach der eine Gelbhalsmaus in einem Nistkasten 30
Eicheln eingetragen hatte, war dies mir Anlaß, den Nahrungsvorrat und
den Sammler näher zu untersuchen.
Der Sammler
Bei dem Sammler des Nahrungsvorrates handelte es sich um eine männliche
Gelbhalsmaus mit eindeutiger Zeichnung: Die weißliche Unterseite
war scharf von den braunen Flanken abgesetzt und das gelbe Halsband
(Kehlfleck) war deutlich ausgebildet. Sie wog 34,5 Gramm. Die Längenmaße
lauteten für den Kopf und Rumpf 112 mm, den Schwanz 105 mm,
den Hinterfuß 24 mm und das Ohr 10 mm.
Da Gelbhalsmäuse als ungesellig gelten (GÖRNER u. HACKETHAL 1988:
176), ist anzunehmen, daß dieses Mäusemännchen der alleinige Sammler
war.
Natürlich war es eigenartig, daß der Nager in der Hütte gestorben war.
Die Ursache zeigte sich erst bei der Obduktion. Innere Verletzungen waren
nicht zu erkennen, Der vollgefüllte Magen enthielt aber nicht nur zermahlene
Haselnußkerne, die an den Ölbläschen erkannt werden konnten, son-Ih.
Ges. Naturkde. Württ. 152 (1996)