Jh. Ges. Naturkde. Württemberg - ; 155. Jahrgang | Stütigart, 15. Dezember 1999
Florenwandel in Ostfildern (Kreis Esslingen)
seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
Von Hans W. SmeTtTTAN, Ostfildern
Mit 4 Abbildungen
1. Einleitung
Zur Zeit wird von einem Botanischen Arbeitskreis an einer neuen Flora
von Stuttgart gearbeitet. Im Gegensatz zu früher (SCHMIDLIN 1832, KIRCH-NER
1888, SEYBOLD 1968) wird hierbei jedoch nur die Gemarkung der Landeshauptstadt
berücksichtigt. Veränderungen traten aber in diesem Jahrhundert
ebenso in ihrer Umgebung auf. Daher sollen hier aus dem Gemeindegebiet
von Ostfildern neben bemerkenswerten Vorkommen, die bei der
Bearbeitung der Flora von Baden-Württemberg (SEBALD et al. 1990-1998)
anscheinend übersehen oder nicht berücksichtigt wurden, solche Arten vorgestellt
werden, die entweder im Laufe des 20. Jahrhundert im Gebiet ausgestorben
beziehungsweise verschollen sind, sowie solche, die hier inzwischen
einen neuen Wuchsort finden konnten. Dabei handelt es sich — sofern
nicht anders angegeben — um Funde aus den Jahren 1997 bis 1999. Die Zusammenstellung
wurde mir erleichtert, weil mir Prof. Dr. S. SEYBOLD vom
Naturkundemuseum in Stuttgart und Prof. Dr. W. GOTTHARD aus Ostfildern
bei der Literaturbeschaffung halfen. Ihnen sei hierfür an dieser Stelle besonders
gedankt.
2. Die Gemarkung von Ostfildern
Die 22,8 km? große Kreisstadt Ostfildern (Stuttgart 207,3 km?) entstand
1975 durch Zusammenschluß der Altgemeinden Nellingen a.d.F, Ruit
a.d.F., Kemnat und Scharnhausen. Sie grenzt im Westen an die Landeshauptstadt
Stuttgart und im Süden an Esslingen, den Sitz des Landkreises.
Ostfildern liegt auf einer Liashochfläche über dem sich bis in 230m über
NN eingegrabenen Neckartal. Der tiefste Punkt der Gemarkung befindet
sich am Fuß des Weiler Berges bei 245 m Höhe, der höchstgelegenste im Gewann
Knüllenäcker in 429 m über NN.
Im Laufe der Eiszeit wurde das Gebiet von kalkreichem Löß bedeckt. Die
hieraus entstandenen Böden gehören wegen guter und tiefgründiger Durchwurzelbarkeit
und der Wasser sowie Nährsalze speichernden Bodenkolloide
zu den besten Ackerstandorten Württembergs, wenn sie auch — vor allem in
Mulden — zur Staunässe neigen. Ein günstiges Klima, dessen Jahresmittel-Jh.
Ges. Naturkde. Württ. 155 (1999)