Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 155, 1999)

LE Jh. Ges. Naturkde. Württemberg L 155. Jahrgang | Stuttgart, 15. Dezember 1999

Eine basale cryptodire Schildkröte (Reptilia: Testudinata)
aus den Nusplinger Plattenkalken
(Oberjura, Südwestdeutschland)

Von MicHAsEL W. Maıscyh, Tübingen

Mit 1 Abbildung

Zusammenfassung

Die erste Schildkröte der oberjurassischen Fossillagerstätte Nusplingen ist durch
eine artikulierte unvollständige Cervikalwirbelsäule repräsentiert. Sie gehört zu einem
 großen Tier von wahrscheinlich mehr als 75cm Panzerlänge. Plesiomorphe
Merkmale des Exemplars, wie getrennte Di- und Parapophysen, Halsrippen, Processus
 transversi die in der Zentrumsmitte gelegen sind, sowie amphicoele Wirbelendflächen,
 zeigen, daß eine sehr basale Cryptodire vorliegt, die den Plesiochelyiden und
der asiatischen Gattung Xinjiangchelys am meisten ähnelt, aber möglicherweise noch
primitiver ist als diese. Es ist daher gut möglich, daß eine bisher unbekannte, vielleicht
 süßwasserbewohnende Gattung vorliegt.

Dank

Diese kleine Arbeit hat durch Diskussionen mit und Anregungen von Prof. Dr.
FRANK WESTPHAL, Prof. Dr. WoLF-Ernst Rei (Tübingen) und Dr. RAINER SCHOCH
(Stuttgart) sehr profitiert. Das Foto fertigte Herr WOLFGANG GERBER (Tübingen) an.

1. Einleitung

Die Oberkimmeridge-Plattenkalke von Nusplingen stellen ohne Frage die
bedeutendste Fossillagerstätte des südwestdeutschen Oberjuras dar (WEST-PHAL
 1992). Seit alters her bekannt durch die prachtvollen Funde von Flugsauriern,
 Meereskrokodilen, Fischen, Invertebraten und Pflanzen (für eine
vollständige Literaturübersicht siehe SCHWEIGERT 1997) sind sie in den letzten
 Jahren durch die systematischen Grabungen des Staatlichen Museums
für Naturkunde in Stuttgart wieder vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses
 gerückt (DıeTı et al. 1995, 1996).
Während bei diesen Grabungen bisher zahlreiche Wirbellose — darunter
Erstnachweise mehrerer Großgruppen (SCHWEIGERT et al. 1996; DıeTL et al.
1995, 1996) —, Pflanzen und auch Fische zutrage kamen, blieben spektakuläre
 Tetrapodenfunde bislang aus. Es ist daher umso überraschender, daß
bei der Durchsicht des Tübinger Materials an mesozoischen Schildkröten
ein Fund eines solchen Reptils aus den Nusplinger Plattenkalken zum Vorschein
 kam. Zwei Etiketten sind beigefügt. Das eine ist von der Hand EBERfh.

 Ges. Naturkde. Württ. 155 (1999)
            
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