| Jh. Ges, Naturkde. Württemberg | 155. Jahrgang | Stuttgart, 15. Dezember 1999 )
Ein verschollenes naturkundliches Manuskript
von Württemberg aus dem frühen 18. Jahrhundert
Von BRIGITTE und HELMUT BAUMANN, Böblingen
Mit 2 Abbildungen und 1 Anlage
Zusammenfassung
Es wird über ein verschollenes und bislang übersehenes Manuskript des Herrenberger
Physikus Davıp BROTBECK aus dem Jahre 1722/23 berichtet. In 7 Kapiteln sollte
darin die gesamte Naturgeschichte der ehemaligen württembergischen Ämter Herrenberg
und Nagold abgehandelt werden. Auf Grund des frühen Entstehungszeitpunktes
hätte es für ganz Baden-Württemberg in seiner breit angelegten Art zu den
frühesten naturkundlichen Dokumenten gezählt.
Einleitung
Durch Zufall stießen wir beim Studium des 1979 erschienenen Buches
von ERICH KLÄGER: „Böblingen eine Reise durch die Zeit“ auf die reproduzierte
Seite aus CHRISTIAN FRIEDRICH SATTLERS (1752: 58) Kapitel über Stadt
und Amt Böblingen. Am Schluß des XXVI. Kapitels findet sich folgender
Hinweis: „Wie auch der ehemalige Physicus zu Herrenberg, Davıp Brop-BECK
eine historiam naturalem über die beede Aemter Herrenberg und Nagold
zu Papier gebracht, wovon in Herrn Abt Precızers Geistliche Poesie ad
ann. 1723. pag. 666 ein Auszug zu finden“. Auch bei Crusius u. MOSER
(1738: 34) wird auf diese Historiam naturalem als druckreifes Manuskript
hingewiesen. Im Zuge der geschichtlichen Aufarbeitung der Naturkunde für
den Kreis Böblingen (vgl. ADE, BAUMANN u. WAHRENBURG 1990) war sofort
klar, daß es sich bei diesem Manuskript um eine sehr frühe naturkundliche
Quelle handeln würde. Die naheliegende Suche nach dieser Publikation in
der Universitätsbibliothek Tübingen und der Württembergischen Landesbibliothek
in Stuttgart blieb erfolglos. Auch eine entsprechende Nachfrage in
den Archiven der Städte Herrenberg und Nagold führte zu keinem Ergebnis.
Zur Einordnung des Manuskriptes von David Brotbeck
In Anlage 1 ist die naturkundliche Literatur mit botanischem Schwerpunkt
Baden-Württembergs bis 1800 zusammengestellt. Nach dieser vorläufigen
Liste sind es insgesamt 74 verschiedene Titel, wovon erwartungsgemäß
ca. 60 % (44) erst nach 1700 vorgelegt worden waren. Von den
Kräuterbüchern des 16.Jahrhunderts von OTtTro BrunrfeLs, HIERONYMUS
{h. Ges. Naturkde. Württ. 155 (1999)