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HI. Nachrufe
Karl Müller
Am 4, November 1955 verschied, fast unmittelbar aus seiner Tätigkeit
bei der Aufnahme vegetationskundlicher Blätter heraus, Hauptlehrer
KArı MüLiLer in Ulm. Ein Krebsleiden hat ihn ganz rasch dahingerafit,
Am 26. August schrieb der unermüdlich Arbeitende, ein vor
einer Woche aufgetretenes Unwohlsein nötige ihn, seine Arbeit für
kurze Zeit zu unterbrechen und sich zur Schonung und Kur vorübergehend
niederzulegen. Er glaube aber, im Anfang des Septembers die
Arbeit wieder aufnehmen zu können. Noch auf dem Krankenlager
machte er Pläne und Einträge zur Ordnung mancher Aufzeichnungen.
Aber es sollte iBhm und uns nicht mehr beschieden sein, noch weitere
Früchte seines Arbeitens zu empfangen. Schon wenig später wurde eine
versuchte Operation abgebrochen, und bald darauf setzte der Tod allen
weiteren Hoffnungen ein Ende.
Die Scientia amabilis der Botanik verliert mit KArı MüLLeEr einen
Kenner von reicher Erfahrung, von großer und ausdauernder Arbeitskraft
und von echter, ganz in der Wissenschaft aufgehender Werktreue.
Zu seinen floristischen Kenntnissen hin, die er in früher Zeit erworben
und immer weiter ausgebaut und gesichert hatte, hatte er sich in
den letzten sechs Jahren rasch die Grundlagen und besonderen Methoden
der allgemeinen Vegetationskunde und der Erfassung der Pflanzengemeinschaften
erarbeitet. Wir verdanken ihm die vegetationskundliche
Aufnahme der Meßtischblätter Schelklingen und Kißlegg, wennschon er
das letztere nicht mehr vollenden durfte; ferner Aufnahmen in der westlichen
Hälfte des Blattes Rottenburg sowie Überprüfungen an dem schon
bearbeiteten Blatt Mössingen und Ergänzungen noch fehlender Abschnitte
des schon von unseren früheren Aufnahmen her vorliegenden
Blattes Reutlingen. Beim letzteren erweiterte er ferner nach unseren
Methoden des Hauptblatts zwei der aufgenommenen Ausschnittsgebiete,
nämlich die Wälder von Unterhausen und von Pfullingen, zu ausgezeichneten
Standortkarten im Maßstab 1 : 10 000, für die er auch noch
eine größere Zahl von Listen der einzelnen Pflanzengesellschaften beifügte.
Diese Arbeiten stellten einen wertvollen Beitrag für die Einrichtungsarbeiten
des dortigen Forstamts dar. Zu dem Genannten kamen
zahlreiche Einzelkartierungen der Wuchsorte wichtiger Pflanzen. Auf
Grund dieser Arbeiten wurde KArı MüLLer 1954 zum Fachmitglied der
Gesellschaft der Freunde und Mitarbeiter des Staatlichen Museums für
Naturkunde in Stuttgart berufen.