Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 114, 1959)

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ADOLF HOoRION

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Agonum quadripunctatum Dre. ist bisher aus Württemberg (wie
auch aus Baden) nicht gemeldet, aber das Vorkommen dieser interessanten Art ist
wohl möglich. Man muß möglichst kurzfristig nach einem Waldbrand unter den
verkohlten lockeren Rindenstücken, besonders an Kiefern, auch unter der Asche am
Boden, suchen.
Agonum impressum Panz. wird im Verzeichnis für Reutlingen (KELLER
AED für Ulm angeführt. In coll. Hügser sind 3 Belege „Ulm-Steinhäule
Agonum ericeti PAnz., eine tyrphobionte, d.h. an Moore gebundene Art,
die in den Mooren der norddeutschen Ebene sehr häufig ist, aber nur sporadisch
nach Mittel- und Süddeutschland vordringt, wo die Art nur mehr in montanen
Moorgebieten gefunden wird. Aus Baden sind jetzt zwei Fundorte bekannt:
Wildseemoor bei Kaltenbronn (NoworTnY leg. 1950) und Moor bei Hinterzarten
‘Feldberggebiet) (VocrT leg. 1952); beide Fundstellen in etwa 900 m Höhenlage.
Sicherlich auch in Mooren auf dem Kniebis vorhanden.
Agonumviridicupreum Gze. Der angegebene Fundort Ulm ist in coll.
Hüszer unbelegt. Es bleibt also nur die unbelegte Angabe für Tübingen (KELLER
1864). Auch aus Baden bisher keine Meldung. Die schöne Art kommt an schlammigen
 Stellen von Fluß- und Teichufern vor.
Agonum gracilipes Drrt. ist in coll. HüzsErR belegt: Ulm-Steinhäule 3 Ex.
V. 1888.
Agonum atratum Drr., eine halophile Art, die ich bisher aus Deutschland
nur in zwei Stücken kenne, je eins aus Thüringen und aus Mecklenburg; vgl. Ent.
Bl. 32, 1936, 202, und Faunistik I, S. 320.
Agonumlugens Drrt. wird im Verzeichnis nur von Reutlingen (KELLER 1864)
angegeben. — Ag. livens GyYLL. nur von Attenweiler, MÜLLER leg. — Beide
Arten kommen sicherlich auch in Württemberg vor, aber wir müssen sichere Funde
und Belege haben, um solche Seltenheiten melden zu können.
Agonum (Platynus) scrobiculatum F. wird von voN DER TRAPPEN
mit Nachdruck für Württemberg gemeldet: „Ich fand selbst 1 Stück auf den Fildern.
 Östliche Art, aber aus Bayern schon bekannt. Trotzdem ein sehr bemerkenswerter
 Fund. Irrtum ausgeschlossen, da mir das Tier sofort beim Sammeln auffel.“
 Und doch kann diese Art niemals zur württembergischen Fauna gerechnet
werden! Es handelt sich um eine endemische Art des Ostalpengebietes, d. h. eine
Art, die nur im Ostalpengebiet vorkommt; sie ist sporadisch von Nieder- und
Oberösterreich bis Kärnten und Kroatien in montanen Waldgebieten verbreitet,
wird aber nur dort gefunden, wo die Gletscherbildung in den Glazialzeiten nicht
besonders stark war, „wo zwischen der eiszeitlichen Schneegrenze und dem Talboden
 ein breiter Höhengürtel für die Entfaltung von Vegetation und Fauna zur
Verfügung stand“. Ag. scrobiculatum gehört mit Aptinus bombarda, Pedilophorus
auratus, Laena viennensis und anderen Arten zu den „Prä- und Interglazial-Relikten“,
 deren genaue Verbreitung im Ostalpengebiet von Professor FRANz (Wien)
eingehend erforscht wurde (VIII. Intern. Kongr. Ent. Stockholm 1948, Bericht 1950,
S. 382—400). Einige dieser Arten, darunter auch Ag. scrobiculatum und Aptinus
bombarda, sind tatsächlich auch in einigen wenigen Stücken im südöstlichsten
Bayern gefunden worden, im Gebiet zwischen Inn und Salzach (von Kufstein,
Berchtesgaden bis Passau und Vilshofen), weil auch dort eine weite, unvergletscherte
 Zone dem Alpenrand vorgelagert war. — Bei dem württembergischen
Unicum kann es sich nur um eine zufällige Einschleppung handeln, wenn nicht
doch eine Fundortsverwechslung oder Fehldetermination vorgekommen ist.
Agonumlongiventre MAnnEs. Die Angabe für Urlau (MöLLER leg.) habe
ich in meiner Faunistik I, S. 328, als zweifelhaft bezeichnet, weil ich aus Südwestdeutschland
 keine sicheren Angaben kannte. Mittlerweile ist die Art aber auch
einwandfrei von Dr. VocTt (Darmstadt) bei Unteruhldingen (Überlingen) mehrfach
aus trockenen Schilfbündeln auf Sumpfgebiet geklopft worden, so daß sie wohl
auch im württembergischen Oberland vorkommen kann, aber ohne Beleg und
neuen Fund bleibt die Art für Württemberg zweifelhaft.
            
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