Salzgewinnung in Schwäbisch Hall (IN
in zahlreichen Gedichten zur Einweihungsfeier am 2. Februar 1717 nieder:
„Halline bringet hier auf diesem Dankaltar
in tief gebogener Pflicht ihr Andachtsopfer dar.
Die Kocherstadt sich freut, weil Gottes Gnadensegen
Will neuen Überfluß in diese Salzquell legen.
Nun heißt sie wiederum ein Salzstadt in der Tat,
Weil Gott den Sulenbau so wohl beglücket hat.“
Bei dem größten aller Haller Stadtbrände wurde im Jahre 1728 mit dem
ganzen Haal auch der neue Haalbrunnen vernichtet. Das Schöpfwerk war
aber schon 1729 in alter Form wieder aufgebaut. ;-Nach
dem Sulenbau von 1716 entschloß man sich zur „beständigen Observation“
des Brunnens und der Sole. Auf Grund langer Erfahrungen kannte
man die ständigen Schwankungen des Salzgehaltes in der Sole; während
langer niederschlagsarmer Zeiten ließ der Salzgehalt nach, während er bei
niederschlagsreicher Witterung zunahm. Nun wollte man diese periodischen
Veränderungen durch ständiges Abwiegen der Sole prüfen und die Werte in
Listen festhalten. Auch hielt man von nun an bei jedem Sulenfegen die
sichtbar werdenden Eintrittsstellen der Sole im inneren Stüblein zeichnerisch
fest (Abb. 17). Man erkennt sowohl die regellose Verlagerung der verschiedenen
Austritte als auch die Neubildung von Sinterkalken.
Es gab nach dem Sulenbau von 1716 zahlreiche Sulenfegen. Am schwierigsten
war die Reinigung nach dem Brandunglück von 1728, da zahlreiche
Brandreste, Bauteile aus Holz und Eisen in die Solefassung gefallen waren
und dort einen schwarzen Morast bildeten. Sulenfegen fanden statt in den
Jahren 1726, 1729, 1730, 1733, 1736, 1741, 1744, 1748, 1752, 1756, 1760,
1764, 1767, 1772, 1776, 1777, 1786, 1790, 1793 und 1798. Es wäre falsch,
anzunehmen, daß der Solebrunnen im 18. Jahrhundert mehr verschmutzt
worden sei, als in früheren Zeiten. Des völlig veralteten Siedeverfahrens
halber blieben die Erträge und die Rentabilität hinter denjenigen anderer
Salzwerke zurück. Die Siederschaft huldigte der irrigen Auffassung, daran
sei eine Verschlechterung der Sole schuldig und man könne die Unzuträglichkeiten
durch ein Sulenfegen abwenden. Um keine Unzufriedenheit aufkommen
zu lassen, willfahrte der Rat ihrem Verlangen trotz eigenen besseren
Wissens.
Aus den nunmehr einsetzenden genauen Befundmeldungen scheint man
entnehmen zu können, daß die Sole aus Quelltrichtern in lockerem Untergrund
austrat; man konnte in diesen Trichtern einen Hackenstiel versenken,
ohne auf festen Grund zu geraten. Der Soleauftrieb war so stark, daß Sand
und kleine Steine hochgewirbelt wurden. Andererseits wissen wir aber
genau, daß die Brunnensohle im Mittleren Muschelkalk stand; entweder
waren die Dolomite stark verwittert oder der lockere Untergrund bestand
aus sedimentierter Brunnentrübe. In wenigen Jahren „wuchsen“ bis zu
15 cm hohe Steine in der Fassung; es handelt sich dabei um Ausscheidung
von Sinterkalken. Nicht selten waren diese sowie die Sande und Gerölle
durch Eisenoxyd rot gefärbt. Roten Sand sah man irrtümlicherweise als
untrügliches Zeichen einer guten Solquelle an. Die Salzquelle hatte so viel