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ILL. Nachrufe
Otto Brösamlen
Professor, Facharzt für innere Krankheiten
Am 22, Oktober 1885 in Göppingen geboren, widmete sich OTTO BrRösAmM-LEN
in Tübingen, nachdem er am dortigen Gymnasium die Reifeprüfung
abgelegt hatte, dem Studium der Medizin, das er 1909 mit dem Staats-6xamen
abschloß. Schon während seiner klinischen Semester hatte er sich als
studentischer Assistent an der Universitäts-Poliklinik und am Pathologischen
Institut in Tübingen sowie am Kreiskrankenhaus in Göppingen betätigt. Von
Januar bis Dezember 1910 arbeitete er als Medizinalpraktikant, dann, nach
Ableistung seiner militärischen Dienstpflicht, als Assistenzarzt an der Poliklinik
in Tübingen, Frühjahr 1913 trat er an die Mediziniche Klinik (Direktor
Prof. OTFRIED MüLLER) über, wo er zum Oberarzt aufrückte. Bei Kriegsausbruch
1914 kam er als Bataillonsarzt ins Feld, wurde aber nach einem Jahr
in die Heimat zurückversetzt und mit der Leitung der Seuchenabteilung
eines Reservelazaretts in Tübingen beauftragt. Gleichzeitig hatte er die an
der Medizinischen Klinik anfallenden bakteriologischen Untersuchungen zu
erledigen. Im Jahre 1916 habilitierte er sich in Tübingen mit einer Arbeit
über „Die Bedeutung der Pulsuntersuchung für die Bemessung; des Herzschlagvolumens“,
Andere wissenschaftliche Arbeiten handelten u. a. von der
Bedeutung der eosinophilen Leukozyten und von der Tuberkulindiagnose
der Lungentuberkulose, Als Privatdozent, dann als a. o. Professor, las er Kurse
über Perkussion und Auskulation sowie über medizinische Mikroskopie und
Chemie. 1922-1927 leitete er die Lungenheilstätte Überruh im Allgäu, dann
die innere Abteilung des Göppinger Kreiskrankenhauses. 1942 wurde er beratender
Internist bei einer Armee an der Ostfront und kehrte 1945 nach
Göppingen zurück, wo er noch 10 Jahre lang eine Privatpraxis führte.
In den folgenden Jahren konnte er, selbst leidend geworden, nur noch
einzelne seiner alten Patienten behandeln. Um so mehr blieb ihm Zeit, sich
mit der Geologie, die ihm neben der Medizin am Herzen lag, und mit seiner
„Steinsammlung“ zu beschäftigen. Solange es sein Gesundheitszustand erlaubte,
hat er kaum eine Tagung des Oberrheinischen Geologischen Vereins
oder eine Zusammenkunft des Steigenklubs in Plochingen versäumt. Über
40 Jahre lang war er Mitglied unseres Vereins. Bis zuletzt, als er gehbehindert
und erblindet in seinem Sessel saß, blieb sein Geist rege; immer wieder
kam er auf naturwissenschaftliche, insbesondere geologische Fragen zu sprechen.
Von seinem beklagenswerten, aber tapfer getragenen körperlichen
Zustand wurde OTTO BRÖSAMLEN am 7. September 1966 durch einen gnädigen
Tod erlöst.
(Nach Aufzeichnungen von Dr. RICHARD BRÖSAMLEN, Göppingen)