Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Dienstleistungen der Pferde‘ stellten und so bei der Züchtung 
entschiedener auf die Gewinnung der hiefür nöthigen Eigenschaf- 
ten hin zu arbeiten vermochten. Vielfach wird bei Bildung der 
Pferderacen den klimatischen Einwirkungen ein überwiegender 
Einfluss zugeschrieben, allein bei weitem grösser und gewichtiger 
ist der Einfluss der veränderten Umstände in den gesellschaft- 
lichen Verhältnissen der Menschen. Anfänglich beschränkte sich 
der ganze Nutzen des Pferdes auf den Reitdienst , indem es dem 
Menschen bei der Jagd flüchtiger Thiere, bei der Bewachung und 
Beschützung der weidenden Viehheerden und bei den Befehdungen 
der Völkerstämme unter sich, diente, erst bei der vollkommnern 
Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse der Völker erwei- 
terte sich sein Nutzen, indem es in seinen Dienstleistungen das 
Mittel zu wechselseitigem Verkehre bot. Gewisse politische Er- 
eignisse verfehlten auch nicht einen gewichtigen Einfluss auf‘ die 
Bildung der Pferderacen zu verschiedenen Zeiten auszuüben, in- 
dem sie die Dienstbestimmungen des Pferdes manchfach abänderten 
und in seiner Züchtung die Erzielung gewisser Eigenschaften an- 
forderten. Der kraftvolle Körperbau unserer Voreltern und deren 
eigenthümliche Bewaffnung machten einen starken kräftigen Pferde- 
schlag nöthig und veranlassten, namentlich in unserem deutschen 
Vaterlande, zur Züchtung der in den Sagen so vielfach ge- 
rühmten Sireitrosse. Häufige Heereszüge nach. entfernten Gegen- 
den und Kriege mit fremden Völkerstämmen liessen einer flinken 
Reiterei grössere Voriheile zugestehen, und machten nunmehr 
auch die Erlangung einer grössern Gewandtheit in ‘den Bewegun- 
gen des seitherigen schwerfälligen Pferdes wünschenswerth, so 
dass die Züchtung Gewandtheit mit Kraft vereinigen hiess und in 
djesen Eigenschaften eine vielseitigere Dienstverwendung gefördert 
erkannte, Als unfern unserer heuligen Zeit eine veränderte Taktik 
in der Kriegführung den langsameren Bewegungen der schweren 
Reiterei, ehemals dem Stolze und der Zierde der deutschen 
Staalen, eine höher gesteigerte Gewandtheit vorschrieb , so wurde 
nalürlich in der Züchtung des Pferdes Gewandtheit‘ als vorherr- 
schende Eigenschaft beachtet, und der Erlangung derselben "selbst 
andere schätzenswerthe Eigenschaften geopfert. Seitdem aber in 
unsern‘ Tagen des Friedens die ‘Erhaltung eines Kriegspferdes
	        

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