Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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sich als neue: Art die Wanderratte zugestellt, dagegen hat die 
gewöhnliche Ratte in ohngefähr gleichem Verhältniss sich ver- 
mindert, und der Biber ist zur Seltenheit. geworden. — Bei. den 
Myoxus hat man bei der Gleichartigkeit der äusseren Verhältnisse 
keine wesentliche Veränderung anzunehmen. Die Kaninchen und 
Seidenhaasen sind fremde Elemente unserer Fauna, und das 
Meerschweinchen würde sogar in. dieser eigentlich gar nicht auf- 
zuführen seyn, da seine Existenz in unserem Clima nur künstlich 
erhalten werden kann. Diess ist übrigens auch bei manchen 
Thieren, z. B.-dem Pferde, dem Esel, dem Schaf der Fall, 
welche denn doch eine zu bedeutende Verbreitung erlangt haben, 
als dass sie nicht als Zuwachs der ursprünglichen Fauna aufge- 
führt werden müssten, die durch Acclimatirung fremder. Thiere den 
Verlust ersetzt erhält, den sie durch die veränderte äussere Verhält- 
nisse an ursprünglich einheimischen Thieren erleidet. — Der Hund 
ist in dem Diluvialboden und den älteren Ablagerungen nicht nach- 
weisbar, er kommt dagegen auch in dem älteren Torfe und in 
dem Kalktuffe nicht selten vor. Er scheint somit den Menschen 
selbst erst in die betreffende Gegenden begleitet zu haben, als 
der natürliche Feind der reissenden Thiere und als der natürliche 
Gehülfe des Menschen bei der Jagd und Viehzucht, und als der 
Beschützer seines Eigenthums bei der durch Fruchtbau und In- 
dustrie gegebenen Veränderung seiner Lebensweise. 
Von dem ursprünglich in unseren Wäldern. einheimischen 
Edelhirsch, Reh und Dammhirsch hat sich der letztere sehr ver- 
mindert, und er dürfte daher zunächst verschwinden, wie der 
Riesendammhirsch, der indess auch in der Diluvialperiode selten 
gewesen zu seyn. scheint. Die Verminderung des wilden Schweins 
liegt, wie die des Wolfs;, nicht in den äussern Verhältnissen, die 
vielmehr durch dargebotene reichlichere Nahrung ihrer Verbreitung 
ebenso, wie der der Haasen günstig wären, wenn nicht der 
Mensch diese künstlich beschränkte. Dagegen hat die in der Periode 
der Diluvial- und älteren Alluvial -Bildung, und selbst des älteren 
Torfs ‚und Kalktuffs nur mässige Verbreitung des. Pferds und 
Stiers sehr an Umfang gewonnen, und es sind seit dieser Zeit mit 
ihrem Uebergange in den Dienst des Menschen als Hausthiere 
die zwei Varietäten oder Arten des Esels und die Ziege und das
	        

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