Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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die nun in der 7, Generation und erst seit 8 Jahren in Europa sind, mithin 
unmöglich so degenerirt sein konnten, als die übrigen schon längst in Europa 
eingeführten Kartoffeln; allein sie bekamen an allen 3 Orten die bekannte 
Fäule in gleich hohem Maase, wie alle andern Kartoffeln, 
Eine zweite, obiger Behauptung widersprechende Erfahrung ist folgende. 
Im Jahr 1843 wurde in der exotischen Baumschule zu Hohenheim eine bedeu- 
tende Partie Samen von verschiedenen Kartoffelpflanzen gesammelt und im 
Frühjahr 1844 bei Zeiten in ein Mistbeet ausgesäet. Die von diesem Samen 
gewonnenen Pflänzchen wurden, sobald kein Frühlingsfrost mehr zu befürch- 
ten war, in besondern Beeten im Freien ausgesetzt und gewährten im Sep- 
tember desselben Jahres einen reichlichen Ertrag von neuen ganz gesunden 
Knollen, worunter sehr viele‘ schon so gross, als gewöhnliche Kartoffeln 
und die in der Blumen- und Früchten-Ausstellung im September 1844 zu 
sehen waren, Diese aus Samen erzeugten Knollen, wurden im vergangenen 
Frühjahr in besondern Beeten ausgesteckt, gewährten einen reichlichen Er- 
trag, waren aber ebenso wie die andern Kartoffeln von der Fäule befallen; 
ein Beweis, dass auch aus Samen erzeugte Kartoffeln‘ gegen das bekannte 
Uebel nicht schützen, 
Vorstehender Notiz reihen wir folgende an: In der Sitzung der fran- 
zösischen Academie vom 17. November 1845 theilte Boussingault ein ihm 
von Bogota zugekommenes Schreiben mit, wonach in den Hochebenen von 
Bogota die Kartoffelfäule eine sehr bekannte Sache ist, fast jedes Jahr auf 
Feldern sich zeigt, welche von Natur feucht sind, in nassen Jahrgängen aber 
sehr überhand nimmt und auch auf sonst trockenen Feldern eintritt. Man 
mache‘ sich dort aus dieser Zerstörung der Kartoffeln nicht viel, schneide 
nur die faulen Theile aus und geniesse das Uebrige ohne Schaden. — Hiermit 
ist zugleich ein Beleg gegeben , dass die Hauptursache der Fäulniss der Kartoffel, 
dieser aus dem sandigen, trockenen Boden von Peru und Chile stammenden 
Pflanze, in der Feuchtigkeit des Bodens und der Atmosphäre in nassen Jahr- 
gängen zu suchen ist. Dieser Ansicht ist die Mittheilung Gasparin’s in 
der Sitzung der französischen Academie vom 22.December 1845 nicht ent- 
gegen, obgleich er den Einfluss der Witterung zu läugnen oder vielmehr ihre 
Unzulänglichkeit für die Erklärung der Kartoffelfäule wenigstens im südlichen 
Frankreich ins Licht zu stellen trachtete, Dort nämlich werden jährlich zwei 
Kartoffelerndten gemacht, die erste, im März gesteckt, reift im Juni, die 
zweite, im Juli nach der Kornerndte gesteckt, reift im Oktober, Die erste 
Erndte von 1845 sei nun ganz frei, die zweite aber stark von der Fäule be- 
haftet gewesen. Während der Periode der ersten Erndte war die Temperatur 
weit geringer als während der zweiten, auch fielen während der ersten häu- 
figer Regen, dagegen war während der zweiten Periode die Regenmenge grösser, 
Hier ist nur zu bemerken, dass, wenn auch die beiden Reifen im October 
kurz vor der zweiten Erndte, von denen Gasparin berichtete, keinen Ein- 
fluss ausübten, indem das Uebel schon vorhanden sein musste, gerade die 
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