Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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eine naturgemässe zoologische Klassifikation kann nur auf anatomischen 
Grundlagen beruhen. Zur Unterscheidung der Arten, zuweilen auch der Gat- 
tungen reichen äussere Merkmale hin, aber die höheren Abtheilungen in der 
Zoologie stützen sich ‚auf die Anatomie der Thiere. Das Nichtbeachten dieses 
Grundsatzes ist die Ursache , warum Buffon und Linne ihren Zweck ver- 
fehlten. Eine Zoologie ohne Anatomie wäre eine Wissenschaft ohne Grund- 
lage; ohne das Licht der Anatomie kann jetzt die Zoologie nicht mehr be- 
Stehen, Die vergleichende Anatomie bildet aber nicht etwa nur eine Ergän- 
zung der Zoologie,, sie ist eine Wissenschaft für sich, und ihr Werth be- 
Steht nicht in ihren Beziehungen zur Zoologie, zur Physiologie, zur Petre- 
faktenkunde allein. 
Die zootomische Sammlung der Universität ist viel reicher ausge- 
Stattet als die zoologische, nicht nach der Anzahl der Stücke, sondern nach ihrem 
Wissenschafltlichen Werthe, Der osteologische Theil der Sammlung enthält 
550 vollständige Skelette, ohne die einzelnen Präparate, wie einzelne Schädel, 
Gehörwerkzeuge u. s. f. zu rechnen. Die Sammlung enthält die Skeletie der 
Seltensten Thiere, z. B. vom Orang-Utang, von 12 Arten von Edentaten, 
die Echidna, den Tapir, das Wallross, das Moschusthier, die Halicore; 
Das Skelett vom afrikanischen und vom amerikanischen Strauss, vom Nas- 
hornvogel; im Ganzen 220 Vogelskelette. Dann dreierlei Krokodile. Unter 
den Schlangen nenren wir nur die Skelette von Coronella , Calamaria , Py- 
Ihon, Boa (drei Arten), Deirodon, Dipsas, Crolalus, Trigonocephalus, Naja, 
Vipera, Elaps, Bungarus, Hydrophis; im Ganzen 41 Schlangen-Skelette, 
Veber die Sinn-Werkzeuge 175 Präparate, über die Verdauungswerkzeuge 
268; über die Organe des .reislaufs und der Respiration 140 u, s. f. Sämmt- 
liche Präparate sind nach einer physiologischen Ordnung aufgestellt, viele 
sind die Originale von Abbildungen, die in der Literatur der vergleichenden 
Anatomie bekannt sind, viele bieten noch fruchtbaren Stoff zu wissenschaft- 
lichen Arbeiten, 
ax. Der erste Vorstand, Graf Wilhelm von Württem- 
berg Erlaucht, begrüsste die Versammlung mit folgenden 
Worten: 
H. H.! 
Es kann mir‘nur zur innigen Freude gereichen, den Verein bei Beginn 
eines neuen. Jahres seines Bestehens zu begrüssen. 
Insbesondere aber am heutigen Tage, an welchem zum erstenmale. die 
Neuen Hallen der Universität einem fremden Institute sich so gastlich aufge- 
than haben. 
Der Zweck unserer Wanderung nach dem Sitze der Landeshochschule 
Konnte Weniger dahin gehen, Samen für die Wissenschaft auszustreuen, als 
Vielmehr von ihren Blüthen und Früchten zu sammeln, die sich hier in so 
Teicher Fülle darbieten. 
r
	        

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