Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Fig. 12a. b. sind 2 Zahnkronen aus derselben Formation, welche mir Professor 
Quenstedt mitzutheilen die Güte hatte. Sämmtliche Zahnkronen sind etwas 
vergrössert, um die Kerbung zu zeigen, die natürliche Grösse ist durch die 
Striche angegeben. 
xx. Prof. Dr. Quenstedt hielt den nachfolgenden. Vor- 
trag über das Vorkommen ‚von Mineralien in den Luftkammern 
der Cephalopodenschalen, unter Vorzeigung mehrerer interessanter 
Exemplare. 
} Man hat bis jetzt bei Erklärung der Erzgänge eine schlagende Analogie 
übersehen: die Anhäufung von Mineralien in den hohlen Kam- 
mern der Ammoniten und Nautiliten, welche nicht nur mit den ge- 
wöhnlichen Mineralien der Gangmittel specifisch übereinstimmen, sondern auch 
in ganz ähnlicher Ablagerung erscheinen, Bergkrystall, Kalkspath, Braunspath, 
Spatheisenstein, Schwerspath, Cölestin, Nadeleisenerz, Schwefelkies, Blende, 
Kupferkies finden sich in den hohlen Kammern jener merkwürdigen Cephalo- 
podenschalen in den schönsten Kkrystallinischen Drusen zusammen, und zwar 
unter Verhältnissen, wobei nur an eine langsame Bildung auf nassem Wege 
gedacht werden kann. Die Wohnkammer der Cephalopodenschalen zeigt nie 
Minerale, sondern nur den Schlamm des Flözes, in welcher sie liegt; da- 
gegen konnte in die ringsgeschlossenen, blos von dem Syphonalstrange durch- 
laufenen Luftkammern der Schlamm nicht eindringen, sie blieben immer hohl 
und bekleideten sich nur an den Wänden, wie die Erzgänge von den Sal- 
bändern aus, mit jenen zum Theil prächtigen Mineralien. Denn die minera- 
lische Lösung allein fand durch die Schale, die wie ein Filtrum wirkte , ihren 
Weg zum Invern, und mit der Scheidung von Schlamm nahm die Krystalli- 
sationskraft der chemischen Substanzen zu, Fänden wir blos leicht lösliche 
Substanzen in den Kammern Krystallisirt, so wäre die Sache zwar interes- 
sant, aber doch weniger auffallend, dass aber gerade die unlöslichsten Mi- 
nerale hiebei eine wichtige Rolle spielen, verdient näher beleuchtet zu werden. 
1. Bergkrystall. Bekanntlich findet sich Kieselerde besonders in 
dem kalkigen Flözgebirge häufig; sie ist nicht nur das Versteinerungsmittel 
vieler Petrefakte, sondern” sie tritt auch in Knollen als Feuerstein, Jaspis, 
sogar Achat auf, in deren Innern sich nicht nur zuweilen Krystalle, sondern 
auch traubige Oberflächen finden, wie bei isländischen Chalcedonen, Ja in 
den, den Dolomiten ‚des weissen Jura benachbarten Korallenbänken sind 
grosse Quarzdrusen mit 6 Linien (und darüber) breiten Krystallen gar keine 
Seltenheiten. Wiewohl ich diese alle nur als Bildungen aus nassen und zwar 
kalten Lösungen ansehen kann, wenn ich auf die umlagernden Gebirge sche, 
so könnte doch bei manchen Geologen gerade wegen des Dolomites noch 
einiger Zweifel entstehen. Nun kommen aber auch Quarzkrystalle in Kam- 
mern von Ammoniten des Lias vor und zwar in den Steinmergeln des Lias f; 
welche. bei Ofterdingen und Balingen den Ammonites Turneri von Am- 
mMonites oxynotus trennen, und da darüber und darunter der weiche Thonschlamm
	        

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