Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Vorschein kommen, öfters’ ganz eigenthümliche Formen haben und ihr dunk- 
les Grün von dem sie umgebenden Rasen so auffallend absticht, mag ihre 
Benennung und den Aberglauben hervorgerufen haben. 
Die Entstehung dieser Erscheinung ist schon auf mancherlei Art zu er- 
klären versucht worden. 
Die erste mir bekannte Erklärung gibt Nicholson in seinem Journal 
of natural Philos. vom J. 1797 indem er bemerkt, dass man 2 Ursachen 
angegeben, einmal nämlich Erdschwämme, die sich unter dem Rasen ver- 
breiten, eine Ursache, welche nicht zu bezweifeln seiz dann habe man ge- 
meint, dass der Theorie nach eine Explosion des Blitzes auf dem Erdboden 
eine ähnliche Wirkung hervorbringen müsse, wie sie Priestley durch Ent- 
ladung einer Batterie auf der polierten Oberfläche einer Metallplatie entstehen 
sah, nämlich eine Menge von concentrischen Ringen. Dass nun der Blitz 
die Ursache sei, scheine folgende Beobachtung zu bestätigen. Bei einem am 
19 Juni 1781 über London ausgebrochenen heftigen Gewitter spalteten sich 
die Blitze an ihrem untern Ende häufig, aber niemals an ihrem obern Ende, 
woraus man folgern konnte, dass sich die Wolken die meiste Zeit hindurch 
in einem positiven Zustande befanden. Vier Tage nach diesem Gewitter be- 
suchte nun Nicholson den Park von Kensington und bemerkte an allen 
Theilen dieses weitläufigen Gartens Spuren des Blitzes. Das Gras war näm- 
lich häufig in zikzakigen Streifen gebleicht; an einer Gruppe von Bäumen 
bemerkte er viele Löcher im Boden und einen Baum mit einem Ringe um- 
geben, der 18 Zoll Breite hatte und dessen Radius 6 Fuss betrug, inner- 
halb des Ringes stand das Gras ganz frisch, aber im Umkreise des Ringes 
waren Gras und Boden stark verbrannt und im Ringe selbst befanden 
sich. 2 Löcher, worin die Erde wie Asche aussah; solche Ringe fand er 
noch an zwei andern Bäumen. 
Ferner bemerkt der Geheime Rath v. Heim von Meinungen in einem 
Briefe vom 16. Februar 1805 an Gilbert #*): dass die Zauberringe auf 
Stellen, die vom Blitze getroffen worden, hervorkommen , könne er aus eige- 
ner Erfahrung durch folgendes bezeugen, Bei einem Gewitter schlug näm- 
lich der Blitz in eine Kiefer, folgte einer am Tage liegenden Wurzel bis an 
die Stelle, wo sie sich unter der Erde verbarg, sprang von diesem Punkte 
an auf beiden Seiten ab, riess den Boden auf und sprengte auf der andern 
Seite des Baumes einen Ast ab, den er gegen 30 Schritte weit fortschleu- 
derte. Alles dieses geschah im Monat August, und im September, nachdem 
es einige Tage zuvor geregnet hatte, fand /eim zu beiden Seiten der oben 
erwähnten Wurzel die schönsten, dunkelgrünen, bogenförmigen Streifen aus 
Kurzem, dichtgewachsenem Grase, die besonders auf der einen Seite, wenn 
man die zwischenliegenden, wahrscheinlich vom Blitze übersprungenen Räume 
in eine Figur zusammenzog;, eine spiralförmige Linie beschrieben. Auch auf 
der Stelle, wo der Ast gelegen, zeigten sich zwar keine Streifen , aber mehrere 
*) Gilbert’s Annalen 19ter Band p. 351. 
Württb, naturw. Jahreshefte, 1846. 114
	        

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