Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

2, WVeber die Zähne des Hirsches 
von 
W,. v. Rapp; 
Professor in Tübingen. 
Die verschiedenen Gattungen der Wiederkäuer Zeigen in Be- 
ziehung auf die Zähne viel Uebereinstimmendes , doch die Eck- 
zähne bieten noch die grösste Mannigfaltigkeit dar. Bald fehlen 
sie ganz, wie bei dem Schaf, der Ziege, dem Rind, der Giraffe, 
bald kommen sie im Oberkiefer und Unterkiefer vor, wie bei dem 
Kameel und dem Lama, bald finden sie sich nur im Oberkiefer, 
und sind dann entweder kurz und stümpf, wie beim Hirsch, oder 
sie sind ausserordentlich lang und ragen weit aus dem Munde 
hervor, so beim Moschus. Man kann in zoologischer Hinsicht auf 
die Grösse dieser Zähne kein besonderes Gewicht legen, und es 
war unrichtig, dass man jene kleinen, ostindischen Wiederkäuer, 
die jetzt das Geschlecht 7ragulus zusammenselzen, wegen des 
langen , hervorragenden, obern Eckzahns mit dem ächten Moschus- 
thier in ein Genus vereinigt hat, da sie durch ihren ganzen Bau 
abweichen, wie ich an einem andern Orte gezeigt habe. *) Auch 
bei Cervus Muntjac aus Ostindien ragl der obere Eckzahn weit 
aus dem Munde hervor, und doch kann dieses Thier desshalb 
nicht. von. den Hirschen getrennt werden. Auch bei dem zahl- 
reichen Geschlecht der Antilopen zeigt es sich, dass in Beziehung 
aüf den Eckzahn keine Beständigkeit herrscht, indem er zwar der 
Mehrzahl der Arten fehlt. aber bei Antilope pygarga vom Cap und 
bei Antilope montana findet sich nach Rüppell im Jugendzustande 
oben auf jeder Seite ein kleiner Eckzahn, der aber bald ausfällt. 
Die zahlreichen Arten des Hirschgeschlechis zeigen unter 
sich in den Eckzähnen Verschiedenheiten. Diese Zähne fehlen 
*) Erichsons Archiv, 1843.
	        

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