Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Theile 3000’ übersteigenden Ausläufern der allgaier Alpen, welche 
unser Gebiet in’ seiner südöstlichen Ecke treffen und einen sehr 
bemerkbaren Einfluss auf die Vegetation dieser Gegend ausüben. 
Fassen wir diese geographischen Verhältnisse’ zusammen, so 
wird wohl deutlich sein, warum ich mich oben gegen eine isolirte 
Betrachtung unserer Flora und gegen die bisher übliche Verglei- 
chung ‘ der‘ verschiedenen Theile des Landes untereinander und 
Ableitung ihrer Verschiedenheiten‘ aus den Abweichungen der 
Höhen- und Regenverhältnissen. aussprach. ‘ Wollen wir ‘uns die 
Verhältnisse unserer vaterländischen Flora klar machen, so müssen 
wir vor allem die Floren der verschiedenen Landestheile mit den 
Floren der Ländergebiete, von denen‘ sie in geographischer Be- 
ziehung‘ einen integrirenden Theil bilden, aber'nicht untereinander 
vergleichen. Kin Beispiel wird diese verschiedenen Behandlungs- 
weisen am deullichsten machen, Das Geranium  pygrenaicum 
wächst in’grosser Menge auf der Waldburg. Da es bis jetzt in 
den tiefer gelegenen Theilen des Landes noch nicht gefunden 
wurde, so nahmen die Verfasser der Flora von Würtlemberg an, 
sein Vorkommen auf der Waldburg stehe mit der bedeutenden 
Höhe dieses Punktes‘ (etwa 2300‘) in Verbindung “und 'setzten 
das Zeichen, mit welchem sie die Zunahme einer Pflanze in den 
höheren Gegenden bezeichneten, bei. Nimmt man dagegen Rück- 
sicht auf die Flora der benachbarten Länder, so sieht‘ man, dass 
die Pflanze in der Schweiz nordwärts von den Alpen vom Canton 
Waadt, in welchem sie überall wächst, bis Rheineck und Basel 
vorkommt, dass sie sich durchs Elsass und Oberbaden das Rhein- 
Ihal abwärts zieht, bei Carlsruhe, Mannheim, Zweibrücken‘ vor- 
kommt, in die in das Rheinthal.einmündenden Thäler eindringt, 
bei Hanau, Frankfurt, Trier wächst, dass sie zwar allerdings in 
der Schweiz in den Voralpen bis zur Buchengrenze in die Höhe 
steigt, aber ebensogul in der Ebene z. B, bei Basel vorkommt, 
dass sie in Oberbaiern gar nicht im Gebirge, sondern in der 
Ebene wächst. Der Standpunkt dieser Pflanze äuf der Waldburg 
ist also‘ nicht dadurch zu erklären, dass dieser Punkt zu ‘den 
höchstgelegenen‘ in Oberschwaben gehört, denn es wächst” diese 
Pflänze an vielen Orten, an ‘welchen an subalpine Gewächse gar 
nicht zu denken ist; wie bei Carlsruhe, Mannheim, sondern
	        

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