Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 32, 1876)

Dichtigkeit und Höhe, und das Alles wieder in den verschieden- 
sten Lagen der Windrose, diese ganze, für die niederen 
Thiere, zumal für die Insecten aber auch für die Mollusken so 
günstige Mannigfaltigkeit der Landschaft kann der Naturfreund 
auf unsrer Uracher Alb im Umkreis einer halben Stunde beinahe 
überall zusammenfinden. 
Unsre Alb, eine wahre Gebirgsmauer von Südwest nach 
Nordost, möchte man die Wirbelsäule von Schwaben nennen, 
Aehnlich wie der Schwäbische Volksstamım selbst neigt sie halb 
nach dem Norden und dem Rheine, halb nach dem Süden und 
der Donau zu und spendet nach beiden Seiten ihre nährenden 
Quellen, wie sie von beiden Seiten ihre Wolken erhält. Dieses 
Gebirge hat bekanntlich hier nach Nordwesten zu seinen Steil- 
abhang. Schroffe, graue Jurafelsen stehen gleich vorgeschobenen 
Wachtposten überall an den Grenzen des Plateaus und geben 
unsern Thälern ihren bestimmten Character. Die Abhänge des 
Gebirgs, aus dem Schutt desselben bestehend, sind mit dem hier 
urwüchsigen, durch die ausgezeichnete neuere Forstwirthschaft 
leider für Thiere und Pflanzen, Zoologen und Botaniker, nur gar 
zu dichtbestandenen Laubhochwald bedeckt, der besonders 
in Nordlagen zu riesiger Höhe emporstrebt, an den warmen Süd- 
hängen aber, wo die brennende Sonne den Humus sich nicht 
sammeln lässt, indem sie dessen Verwesung und Verflüch- 
tigung zu stark befördert, oft verkümmert und zu Buschwerk *) 
herabsinkt. 
*) Dies besteht, etwa der Häufigkeit nach geordnet, aus folgenden 
Arten: 
Cornus sanguwinea, Acer campestre, (Buschform mit der dicken, 
korkigen Rinde), Carpinus betula, (Buschform) Crataegus oxyacantha, 
Rosa canina, Corylus avellana , Salix caprea (oft in den trocken- 
sten Felsspalten), Xuonymus euwropaeus, Prunus spinosa, P. avıum, 
Ribes wvacrispa, Viburnum lantana , Sorbus aucuparia, Aria und 
Torminalis , letztere seltener, doch an verschiedenen Stellen auf der 
Alb von uns gefunden; Ligustrum vulgare selten auf der Alb aber 
häufig im Thale; Clematis vitalba, Cytisus nigricans und einige unbe- 
deutendere Arten. Diese Gebüsche setzen auch die Häger an Wiesen 
und Feldern, Wegen und Rainen auf der Alb zusammen, welche, wie 
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