Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 32, 1876)

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genes Stirnbein und ein von einem Carnivoren abgenagter 
Oberschenkelknochen (femur), dessen kleiner und schwacher 
Typus auf einen Jüngling oder eine Jungfrau zu deuten scheint. 
Von wilden Thieren steht oben an: der Edelhirsch 
(C. elaphus IL.) — Fraas bestimmte 259 Reste desselben, er 
bildet also 60% des Ganzen. Gleichwohl gehören diese sämmt- 
lichen Knochen kaum mehr als 20—25 Individuen an. 
Ausser durch Schädelfragmente, vollständige Unterkiefer, 
Wirbel, Rippen, Röhren, Epiphysen etc. ist der Edelhirsch durch 
eine stattliche Reihe von Geweihstangen repräsentirt, die, mit 
und ohne Schädeltheile, zum Theil von ausserordentlicher Stärke 
sind; sammt und sonders sind sie in verschiedenartigster Weise 
mittelst Feuersteinmesser' angearbeitet, namentlich häufig sind die 
geraden Enden abgehauen, während die gekrümmten, nament- 
lich die Augensprossen, seltener als Lanzen Verwendung fanden, 
wohl aber zur Verfertigung schwächerer Hefte dienten. 
Das Reh (C. capreolus L.) ist auffallend spärlich; an seinen 
Stangen ist keine Spur menschlicher Bearbeitung bemerklich. 
17 Knochen lassen nur auf wenige Individuen schliessen. (Fraas.) 
Das Wildschwein (Sus scrofa ferus L.) weist in 83 Kno- 
chenresten auf nicht mehr als 11 Individuen, da die Reste viel- 
fach zusammenpassen; unter diesen befanden sich jedoch etliche 
aussergewöhnlich starke Keuler neben ganz geringen Frischlingen. 
— Die Hauer des Unterkiefers wurden, wie bereits erwähnt, 
zu Messern, diejenigen des Oberkiefers zu Schmuckgegen- 
ständen, wie es scheint, hergerichtet. 
Der Bär (Ursus arctos L.), der meines Wissens in Pfahl- 
bauten bis jetzt nur in Moosseedorf, Wangen und am Baldegger 
See gefunden wurde, ist auch hier selten. Kaum ein Dutzend 
Knochen, die ihrer Beschaffenheit nach sehr gut zusammenpassen, 
lassen mit Sicherheit nur auf Ein, sehr starkes, Individium 
schliessen. Zähne wurden nicht gefunden. 
Was sonst noch von wilden Thieren vorhanden ist, lässt 
sich kurz zusammenfassen: Wolf (C. Zupus L.), 1 Knochen, 
1 Individium, Fuchs (C. vulpes L.), junges Thier (junger Hund ?), 
30 Knochen. Ein Individium, Luchs (F. Iynx. L.), 4 Reste, 
74}
	        

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