Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 32, 1876)

ZH 
zu bilden, so müssten bei einer Mächtigkeit des hängenden Torf- 
lagers von durchschnittlich 1.5 M. 3000 Jahre verflossen sein, 
seit welchen die Pfahlbaute in Folge der Ueberwucherung von 
Torf absolut unbewohnbar geworden ist. 
Durch unser Vereinsmitglied, Herrn Geometer Gerst, liess 
ich eine Reihe der interessantesten Artefacten in natürlicher 
Grösse zeichnen, was demselben auch in sehr befriedigender Weise 
gelungen ist. Leider ist es mir versagt, Ihnen diese Abbildun- 
gen hier vor Augen zu führen; vielleicht wird diess ein anderes 
Mal an einem andern Orte möglich sein. 
Dagegen ist ein Kärtchen des Federseebeckens beigegeben, 
das sich selbst erläutert; sowie eine Zeichnung der Pfahlbaute, 
wie sie unmittelbar nach Bloslegung eines ca. 270 (JM. grossen 
Stückes Herr Geometer Gerst nach der Natur aufzunehmen und 
auszufertigen die Freundlichkeit hatte; es veranschaulicht die 
Zeichnung deutlich und naturgetreu diejenige Parthie der Pfahl- 
baute, welche auf Anordnung des hohen K. Kult-Ministeriums 
unter Leitung des Herrn Landesconservators Dr. Ed. Paulus 
aufgedeckt wurde; leider‘war an eine Erhaltung nicht zu denken; 
Sonne und Regen haben sie nach wenigen Wochen zur Unkennt- 
lichkeit entstellt. 
I. Prof. Steudel in Ravensburg trug über das Material 
der Steinwaffen aus den Bodenseepfahlbauten vor, wo- 
zu er reiche Belege ausstellte: 
Als vor etwa 14 Tagen von Seiten des Vorstands des 
Biberacher Lokalkomites, Prof. Müller, die Aufforderung an 
mich ergieng, heute einen Vortrag vor der Jahresversammlung 
unseres Vereins zu halten: da dachte ich, es müsste sich empfeh- 
len, einen Gegenstand zu besprechen, der schon mit Rücksicht 
auf die benachbarten Ufer des Bodensees und auf die neuerdings 
bei Schussenried entdeckte Pfahlbaute für unser schwäbisches 
Oberland ein lokales Interesse darbietet, zugleich aber zwei 
wissenschaftliche Gebiete berührt, deren Grenzen heutzutage mehr 
und mehr in einander fliessen — nämlich die Geologie und die 
urgeschichtliche Anthropologie. Dieser Gegenstand ist die Frage
	        

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