Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

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2) Pflanzen, welche besondere Organe besitzen, die so ge- 
staltet sind, dass, wenn Insekten in diese hinein gerathen, sie 
in Folge der Construktion dieser Organe oder wegen der Stellung 
der Haare nicht wieder heraus können oder in Folge einer im 
Innern dieser Organe vorhandenen Feuchtigkeit, welche von den- 
selben genossen wird, halbbetäubt zurückgehalten werden. Hieher 
gehören die sogenannten Schlauchpflanzen, nämlich Sarracenia, 
Cephalotus, Nepenthes, Utricularia und Aldrovanda. 
3) Pflanzen, die durch reizbare Blatttheile oder drüsige 
Borsten Insekten fangen und so lange diese sich noch bewegen, 
dieselben festhalten und erst nach dem Tode wieder frei lassen. 
Dahin gehören: Dionaea, Drosera, Drosophyllum und Pingwi- 
cula. Von den zu Gruppe 1 gehörenden Pflanzen ist noch von 
Niemanden behauptet worden, dass die an ihnen wie an einer 
Leimruthe kleben bleibenden Insekten auch von den Pflanzen 
selbst als Extraleckerbissen verspeist würden. 
Die zweite Gruppe wird von Darwin schon zu Insekten- 
fressern gestempelt. Das in den Schläuchen von Nepenthes, 
Cephalotus und Sarracemia ausgeschiedene Wasser ist nach dem- 
selben keine gewöhnliche Absonderung, sondern findet mit dem 
besonderen Zwecke statt, die Insekten anzulocken, damit sie dann 
von dem süssen Gifte halb betäubt in den Schläuchen grausam 
umkommen müssen, um ihre Leichen als Futter von den betreffenden 
Pflanzen benutzen zu lassen. 
Wasserausscheidung findet bekanntlich bei allen Pflanzen in 
Dunstform statt, ausserdem ist solche bei einer Masse von Pflanzen 
aus den Blattspitzen und Blatträndern in Tropfenform nachge- 
wiesen, z. B. bei den Blättern von Canna. 
Auf welche Weise diese Thierleichen in den Schläuchen 
von den Pflanzen verspeist werden, darüber ist meines Wissens 
Näheres bis jetzt noch nicht mitgetheilt worden. Meine Erfah- 
rungen bei der Cultur von Nepenthes, Sarracenia” und Cephalotus 
gehen aufs Bestimmteste dahin, dass die Schläuche dieser Pflanzen, 
in denen viele Insektenleichen aufgehäuft liegen, weit früher ab- 
sterben, als solche, in denen diess nicht der Fall ist! 
Von der dritten Gruppe endlich wird die direkte Behauptung
	        

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