Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

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aufgestellt, dass, nachdem die Insekten gefangen, die Pflanzen 
da, wo sie mit denselben in Berührung sind, eine säuerliche 
Flüssigkeit ausscheiden, welche mit der Propionsäure verwandt 
sei, ja selbst das verdauende Prinzip des thierischen Magens, 
nämlich Pepsin enthalten soll und mit Hülfe dessen die Thier- 
leichen, soweit das die hornartige Körperbedeckung zulasse, zer- 
lege und als Nahrung mit den anliegenden Zellen des Blattes 
aufnehme ,— oder wie man zu sagen beliebt, gleich dem thierischen 
Magen verdaue. 
Zu "dieser letzteren Abtheilung gehören vorzugsweise drei 
Pflanzengattungen, mit denen man manipulirt hat: das ist unser 
einheimischer Sonnenthau (Drosera), der portugiesische Sonnen- 
thau (Drosophyllum) und die Fliegenfalle (Dionaca). Bei Drosera 
finden sich am Rande des Blattes lange, drüsentragende Borsten, 
mit einem wasserhellen Inhalt gefüllt. Bei Drosophyllum stehen 
in zwei Reihen gestellte und gestielte, klebrige, durchsichtige 
Drüsen. Die Insekten bleiben an der ausgeschiedenen, zähen 
Flüssigkeit kleben und durch den fortwährenden Reiz, den das 
Insekt bei seinen Bemühungen, sich zu befreien, ausübt, krümmen 
sich die drüsentragenden Borsten nach Innen und tragen mit 
dazu bei, das Insekt festzuhalten, zu umspannen und zu tödten. 
Diese Drüsenborsten werden von den Anhängern der Fleisch- 
fresser-Theorie Fühlhörner oder Fangarme genannt. Dionaea 
zeichnet sich bekanntlich durch das runde mit langen, wimper- 
förmigen Borsten besetzte Vorderstück des Blattes aus. BReizt 
man die Mittelnerven oder vielmehr die auf der inneren Fläche 
der Klappen befindlichen 3 Borsten zur Zeit der Vegetation der 
Pflanze mit einem anderen Gegenstande, so legen sich die beiden 
Klappen fest aufeinander. Kin Insekt bedingt die gleiche Be- 
wegung des Blattes, wird dabei gefangen und nicht früher los- 
gelassen, als bis es todt ist, d. h. keine Bewegung mehr zeigt. 
Seit mehr als 100 Jahren ist das bekannt; denn im September 
1769 schrieb John Ellis, ein englischer Botaniker, an Linne: 
„Der Bau der Blätter der Dionaea gibt zu erkennen, dass die 
Natur vielleicht einiges Absehen auf ihre (der Pflanze) Ernährung 
bei der Bildung ihrer Blätter gehabt haben möge u. s. w.“ 
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