Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

Ausblick nach Süden und Westen. Im Süden schaut man zu- 
nächst in die Tiefebene des Hule und die wilden Schluchten 
des Litäni, begränzt von dem Karmelzug, der über den Tabor 
zu den Höhen von Tiberias sich hinzieht und drüben über dem 
spiegelnden See in den zackigen Höhen des Haurans sich fort- 
setzt. In bläulichem Duft liegen in der Ferne die Berge von 
Juda. Soweit man die Meeresküste überblickt, d. h. vom Karmel 
bis zum Ras Beirut, überzeugt man sich vom abrupten 
Einbruch der Berge, der sich untermeerisch ebenso 
fortsetzt, wie er zu Tage beobachtet wird. Ein schmales roth- 
gelbes Band legt sich zwischen den fahlen Kreideboden und das 
grüne Meer. Der Blick nach Norden führt in den eigentlichen 
Libanon hinein, dessen Berge riesigen Maulwurfshügeln gleichen, 
die nebeneinander und hintereinander hingeworfen sind und sich 
je nach ihrer Zusammensetzung aus Kalkfelsen, Sandstein oder 
Mergel bald steiler, bald flacher legen. Jeder dieser Hügel 
besteht aus einem System vieler Schichten, die sich wie Bänder 
durch‘ den Berg ziehen. Doch ist der nächste Hügel 
wieder ausser Zusammenhang mit dem ersten, so 
dass man denselben Eindruck bekommt, den im Kleinen bei einem 
Eisgang gestrandete Schollen auf uns machen. Jede der Berg- 
schollen hing einst mit der Schichtentafel zusammen, was die 
regelmässigen Schichtenlager beweisen, die im Querprofil wie 
Bänder sich uns vorstellen. Bei der Gebirgsbildung ging die bis 
dahin horizontal lagernde Gebirgstafel in Trümmer, die Trümmer 
aber, gehoben und geschoben, legten sich neben und hinter 
einander, wobei jedoch die Richtung von N nach S und recht- 
winklig darauf von © nach W die herrschende bleibt. Was den 
Blick auf die Schichtenbänder besonders anmuthig macht, ist der 
Wechsel der Farben dieser Bänder. Ein Maler z. B., der 
die Landschaft malen wollte, hätte sich davor zu hüten, dass er 
die oft wirklich grellen Farbenbänder, die sich über einen Berg 
hinziehen, nicht in ihrer natürlichen Farbe darstellte. Auf dem 
Gemälde wäre das kirschrothe horizontale Band um den Berg 
entschieden unschön, in Wirklichkeit selbst machen auch die lang 
gestreckten Geraden. die Berge monoton, es fehlt dem Auge der 
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