Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

wurde. Davon kann nun freilich entfernt keine Rede sein, denn 
die Steinzeit liegt weit vor jeglicher Kulturzeit des alten Egyp- 
tens, in welcher bereits die Steinwerkzeuge als alte Tradition 
sich nur noch im Kult (Beschneidung, Oeffnung der Leichen und 
Gräberbeigabe). erhielten. 
Wir besitzen in der hiesigen Staatssammlung Feuerstein- 
messer aus der libyschen Wüste, welche Professor' Zittel fern 
von den Oasen auf seiner Route aufgelesen. Die Messerchen sind 
ächt typische Steinmesser, wie wir sie nur aus unsern euro- 
päischen Höhlen und Mooren kennen. Sicherlich sind sie auch 
nicht die einzigen, die Zittel zufällig am Wege auflas und wird 
eine nähere Untersuchung der Lokalität constatiren, dass sie 
dort ebenso verbreitet in der Wüste zu Tage liegen, wie z. B. 
zwischen dem Nil und rothen Meer, wo sie Schweinfurt 
gleichfalls in solcher Menge fand, dass er an menschlichen Ur- 
sprung gar nicht denken mag, sondern sie gleich Lepsius und 
Ebers für zufällige Sprenggebilde ansieht. 
Liegen in der egyptischen und arabischen Wüste die Stein- 
messer offen zu Tage, indem im Laufe der Wüstenbildung der 
quaternäre Boden in Staub verwandelt und von den Wüsten- 
stürmen verweht worden war, so liegen sie in Syrien und am Libanon 
zum öftern in den Knochenbreccien der Höhlen und dem 
Kalkgebäcke der sogenannten terra rossa. Unter diesem Na- 
men, den Hauer aus den dalmatinischen Bergen (Jahrb. d. geol. 
Reichsanstalt von 1868, pag. 452) in die wissenschaftliche Sprache 
eingeführt hat, verstehen wir das Conglomeratgestein, das wir (A. d. 
Orient I, pag. 202) als die Decke auf den Kreideschichten bezeich- 
neten, die sich ohne Unterschied über Höhen und Tiefen ausbreitet. 
Am Libanon erst lernte ich dieses Gestein recht kennen 
und verstehen, wo es sich von den höchsten Bergen herab bis 
an das Meer zieht und mit Vorliebe den Thalgehängen nachgeht. 
Es ist stets auf Kreidefelsen aufgeklebt und die fest cementirte 
Breccie aufs innigste mit diesen verwachsen. Wie sich nur ein 
Mörtel an alten römischen Bauten mit den Mauersteinen ver- 
bindet, so fest klebt die Breccie am Kreidekalk, der augen- 
scheinlich die Wasser, die über ihn liefen, mit kohlensaurem Kalk 
Württemb. naturw. Jahresheft: 1878. 
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