Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

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Wohl hatte Deffner unter Leitung des vortrefflichen Vaters 
eine vollständige akademische Bildung genossen und war in Berlin 
zu den Füssen Gustav Rose’s gesessen, dem er bis zu dessen 
Ende ein freundliches Andenken bewahrte, aber wie das gewöhn- 
lich im menschlichen Leben geht, dass vor der Praxis die wissen- 
schaftlichen Studien in den Hindergrund treten und die Früchte 
des akademischen Lebens einschrumpfen, so nahm auch die Lei- 
tung der Fabrik, die mit jedem Jahr sich mehr ausdehnte, den 
Chef der Firma C. Deffner dermassen in Anspruch, dass er 
seine ganze Thätigkeit, sei es auf sein Walzwerk und die best- 
mögliche Ansnützung seiner Wasserkraft, sei es auf das Studium 
der Bleche, der Kupfer oder der Lackfarben verwenden musste. 
Volle Aktenstösse aus jener Zeit zeugen von der rastlosen Thä- 
tigkeit des Fabrikanten. In den 40er Jahren war Deffner 
durch und durch Industrieller. Er dachte kaum an Geologie und 
Petrefaktenkunde. Da brauchte er wieder einmal Formsand für 
seine Gelbgiesserei, der seit Jahren aus dem braunen Beta von 
Giengen bezogen wurde. Dass er denselben nach seinem Vor- 
kommen und seiner Qualität mit allen seinen Fehlern und Vor- 
zügen genau zu untersuchen anfing, um ihn gründlichst kennen 
zu lernen, war von Deffner nicht anders zu erwarten. Wider- 
stritt es doch jeder Zeit dem innersten Wesen unseres Freundes 
etwas oberflächlich zu nehmen. Alles was er that, that er gründ- 
lich, was er las untersuchte er, schlug alle Citate und Quellen nach 
und arbeitete sich grundsätzlich in die Literatur eines zu unter- 
suchenden Gegenstandes ein. So führte ihn der Formsand seiner 
Fabrik zur Untersuchung anderer Sande, zur Orientirung über 
deren Vorkommen und Lagerung, und weiterhin zu dem Ursprung 
der Sande und deren Bildungsweise überhaupt, womit er plötzlich 
mitten in der Geognosie stund. 
Der alte Naumann, der von Berlin her etwas verstaubt in 
seiner Bibliothek stand, war wieder vorgenommen, speziell für 
schwäbische Geognosie diente das „Flözgebirge“ zum Führer. Bald 
aber erkannte Deffner’s klarer Verstand, dass in der Geo- 
gnosie die Bücherweisheit wenig nütze ist, dass vielmehr die Natur 
selbst befragt werden muss, um Aufschluss über die Berge und
	        

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