Full text : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 42, 1886)

Über die chemische Zusammensetzung der dunklen
Hornblenden*.
Von Dr. Kloos, Privatdozent am Polytechnikum in Stuttgart.

Das Studium der Mineralogie hat in neuerer Zeit verschiedene
Strömungen zu verzeichnen. Während früher mineralogische Untersuchungen
 ausschliesslich ihrer selbst wegen betrieben wurden und
man die Chemie, Physik und Mathematik als Hilfswissenschaften
heranzog, findet jetzt vielfach der entgegengesetzte Entwickelungsgang
 statt. Mineralien werden benützt lediglich als Beobachtungsmaterial
 für Forschungen, die zum Gebiet der anorganischen Chemie
gehören; Physiker und Mathematiker beschäftigen sich mit der Krystallwelt,
 um in ihr die Grundlagen zu finden für weitgreifende
Spekulationen über Anordnung der Moleküle und deren Einfluss auf
die Äusserung verschiedener Kräfte.
Namentlich in mathematischer Beziehung scheint eine abstrakte
Betrachtungsweise immer mehr die Überhand zu gewinnen und wird
die Krystallographie zu einer mathematischen Disziplin, wodurch dieser
wesentliche Teil der Mineralogie seine Bedeutung als selbständiger
Zweig der beschreibenden Naturwissenschaften verliert.
Wie fruchtbringend Ausbau und Erweiterung der analytischen
Geometrie des Raumes; der Optik, Wärmelehre und Elektrizität; der
anorganischen Chemie, nun auch rückwirkend auf das mineralogische
Studium späterhin sein müssen, so darf der Mineraloge die selbständigen
 Aufgaben, welche er zu lösen hat, auch jetzt nicht aus dem
Auge verlieren. Diese bestehen nicht nur in der Charakterisierung
und Beschreibung neuer Spezies oder neuer Kombinationen von Krystallflächen;
 es sind nicht im wesentlichen systematische Aufgaben
zur Erreichung einer möglichst naturgemässen Aneinanderreihung
aller bekannten Mineralkörper — die Probleme sind schwieriger,
aber auch interessanter geworden. Um dieselben zu lösen, greifen
wir nicht zu neuen Mineralien, sondern zu denjenigen, welche am
meisten verbreitet und scheinbar am besten bekannt sind.
* Vortrag in der Sitzung vom 11. März 1886.
Jahreshefte d. Vereins f, vaterl. Naturkunde in Württ, 1886.

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