Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

glochin WuLBG., bei welcher Art die Axe des einblütigen Ährchens 
bekanntlich als zarte Borste aus der Schlauchmündung hervorragt, 
und welche in dieser Hinsicht der Gattung Uncinmia Prrs. gleicht, 
werden nur wenige Carex-Arten (C. capitata, curvula, pulicaris, 
oreophila C. A. M.*) als solche genannt, bei denen im erwachsenen 
Zustand jene Axe innerhalb des Schlauchs eine erhebliche Länge 
zeigt. In der Regel ist sie fast obliteriert, aber schon GAY gibt 
an, dass sie bei den meisten Carices mit bewaffnetem Auge zu er- 
kennen sei, und dies ist auch bei C. hirta stets der Fall; gar nicht 
zu gedenken jüngerer Entwickelungszustände, in welchen die Ähr- 
chenaxe noch weit augenfälliger erscheint. Wenn nun Durchwach- 
sung eintritt, so zeigt der Augenschein sofort, dass diese durch 
Weiterbildung, jenes — gewöhnlich nur kurzkegelförmigen, zwischen 
Pistill und äusserer Schlauchwand gelegenen — Axenrudiments be- 
dingt ist, wie dies namentlich auch in den ReıcHARDT’schen Fällen 
bei €. praecox? sich durch verschiedene Übergänge nachweisen liess. 
Dadurch dass die durchwachsenen Schläuche in verschiedener Länge 
auf der dem Tragblatt zugekehrten Seite (welche in den Figuren 
1, 2, 5—10 nicht sichtbar ist, vergl. jedoch Fig. 10) in verschie- 
dener Länge von oben herab gespalten sind, wird den Ährchenaxen 
der nötige Raum zum Hervortreten neben dem Griffel gewährt. Wäh- 
rend in einzelnen Fällen anderer Beobachter * an den Durchwachsungs- 
axen männliche Blüten auftraten und dadurch eine Anordnung ent- 
stand, welche dem Infloreszenzen-Aufbau der Gattungen Elyna SCHRAD. 
und Schoenoxiphium Nzes entspricht, so waren in meinen Fällen, wie 
überhaupt offenbar in der grossen Mehrzahl der verzeichneten, bloss 
Stempelblüten vorhanden. In der Regel war die Durchwachsungs- 
axe unterhalb der nächsten von ihr getragenen Blüte so kurz, dass 
die letztere mit ihrem Schlauch der Mündung des durchwachsenen 
Schlauches unmittelbar aufgesetzt war; vergl. jedoch im Gegensatz 
hierzu Fig. 6. 
Geht man nun von dem einfachsten und zugleich häufigsten 
Fall aus, dass die durchwachsende Axe überhaupt nur eine einzige 
von einem Schlauch umhüllte Blüte trägt, so wäre zunächst denk- 
bar, dass der Schlauch dieser Blüte dem der primären Blüte als 
Schwesterblatt koordiniert wäre, also eine zweite Blattproduktion 
! Kunth, a. a. 0.; Gay, Ann. sc. nat. 2. ser, X, (1838) 283. 
? Reichardt, a. a. 0. 
Sz. B. Wigand, a. a. 0. (C. flacca); Duval-Jouve, a. a. 0. (CO. 
flacca und flava). 
A155
	        

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