Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

genügende Zeitangaben liefern können, also in vielen Fällen Seismo- 
chronographen zu ersetzen im stande sein. Es ist aber anzunehmen, 
dass man auch durch Beobachtung an anderen Uhren wertvolles 
Material gewinnen kann, wenn dieselben mit genügender Sorgfalt 
verglichen werden. Es ist kaum nötig zu erwähnen, dass eine nach 
Eintritt eines Bebens einige Tage fortgesetzte Vergleichung der Be- 
obachtungsuhr mit der Telegraphenuhr die Sicherheit der Bestimmung 
erhöht, ebenso dass der Wert einer Zeitangabe steigt, wenn die 
Beobachtungsuhr mit mehr als Einer Telegraphenuhr, etwa mit denen 
der zwei nächsten Telegraphenstationen verglichen wird u. s. f. 
Es möge nur noch beigefügt werden, dass es sehr dankenswert wäre, 
wenn der Beobachter das ganze auf seine Zeitangabe sich beziehende 
Ziffermaterial auf dem Fragebogen bei 2) übersichtlich zusammen- 
stellen würde, um so ein Urteil über die Zuverlässigkeit des betreffen- 
den Zeitpunkts zu ermöglichen. 
Je sicherer die Zeitangaben verbürgt werden können, und je 
zahlreicher sie zu Gebote stehen, desto leichter wird man zu einer 
genügenden Schätzung der Erdbebenelemente kommen können. Nimmt 
man z. B. für das Fortschreiten der Welle einer bestimmten Krd- 
erschütterung eine mittlere Oberflächengeschwindigkeit von 500 m 
an, so würde eine Unsicherheit von */s Minute in einer bestimmten 
Zeitangabe die Lage der Honrtoseiste an dieser Stelle bereits um 6 km, 
also z. B. auf einer Karte in 1: 400 000 um 15 mm unsicher machen, 
woraus unmittelbar die Notwendigkeit möglichst genauer und zahl- 
reicher, sich gegenseitig berichtigender Zeitangaben hervorgeht.“ 
Ausser den letzteren sind für die Beurteilung eines Bebens 
besonders wertvoll zuverlässige Mitteilungen über die Bewegungs- 
richtung. Zu ihrer Bestimmung können ausser Instrumenten 
(Seismometern) Beobachtungen allerlei Art Anhalt gewähren, und es 
mag gestattet sein, hierfür die folgenden Sätze aus dem oben erwähnten 
Schriftchen Heım’s mit der Bitte um möglichste Beachtung der darın 
enthaltenen Winke wiederzugeben. „Wenn die Erschütterung so 
stark ist, dass Gegenstände umfallen, von Tischen geworfen wer- 
den ete., oder die Möbel sich verschieben, so soll stets die Himmels- 
richtung, in welcher dies geschehen ist, so genau als möglich notiert 
werden, bevor die Lage der Gegenstände wieder verändert wird. 
Bei manchen Erdbeben fielen diejenigen Gebäudemauern um, oder 
blieben die ganz unversehrt, welche senkrecht zur Ausbreitungsrich- 
tung der Erschütterung stehen, während die Mauern, welche in der 
Radienrichtung liegen, Risse erhalten, aber nicht stürzen. Aus der 
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