Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

444 
mit der Verbreitung des Tertiärs und der glacialen Ablagerungen an 
der Oberfläche in Oberschwaben, so erkennt man, dass der schon 
oben erwähnte, von Immenstadt aus nach Nordnordwesten sich er- 
streckende Streifen erschütterten Gebietes zusammenfällt mit dem 
Terrain, in welchem zwischen Alb und Alpen Tertiärgesteine, in 
minderem Grade von Diluvialabsätzen überdeckt, vielfach zu Tage 
stehen, und dass von hier aus die Bewegung in den nordwestlich 
vorliegenden Teil der Alb, welche bekanntlich aus gut leitendem 
Kalkstein zusammengesetzt ist, bis an den Rand derselben zwischen 
Zaimningen und Geislingen vorgedrungen ist, ohne denselben zu über- 
schreiten. Die Nichterschütterung einiger auf lockeren Diluvial- 
ablagerungen gelegener Orte in dem in Rede stehenden Distrikte 
kann nicht befremden. Dagegen könnte auffällig erscheinen, dass 
in Ochsenhausen und Oberkirchberg das Beben nicht wahrgenommen 
sein soll. Erwägt man jedoch, dass die Erschütterung hier über- 
haupt schon schwach war und nur von einzelnen Personen noch 
empfunden wurde, so wird man der Nichtbeobachtung an einigen 
Punkten innerhalb eines sonst betroffenen Areales kein grosses Ge- 
wicht beilegen können. 
Viel weniger weit ist die Erschütterung in das Gebiet der 
älteren und jüngeren Moränen-Ablagerungen des diluvialen Rheinthal- 
gletschers eingedrungen, deren lockeres, schüttiges, ungleichartiges 
Material an sich der Fortpflanzung derselben in höherem Grade 
hemmend entgegenstehen musste; eine Wirkung, die vielleicht bei 
einzelnen, mehr südöstlich gelegenen Orten (wie Wangen) durch eine 
lokal bedeutendere Mächtigkeit der Diluvialgebilde noch erhöht wor- 
den sein mag. Hier wurden Gattnau, Hemigkofen, Friedrichshafen, 
Meckenbeuren, Kisslegg, Wolfegg, Weissenau, Ravensburg und Wein- 
garten (letztere vier in der Nähe anstehenden Tertiärgebirges gelegen) 
noch betroffen, nicht dagegen Ailingen, das Gebiet von Wangen, 
Station Friesenhofen, Leutkirch, Zeil, Waldsee, Unter-Essendorf, 
Schussenried, Aulendorf, Altshausen, Wilhelmsdorf, Hochberg, Saul- 
gau, Buchau und die nordwestlich im Gebiete des Tertiärgebirges 
und Weissen Juras gelegenen Orte Munderkingen, Untermarchthal, 
Rechtenstein, Riedlingen, Herbertingen und Ebingen. 
In dem südwestlich angrenzenden Gebiete bei Konstanz, Lud- 
wigshafen, Stockach, Schaffhausen dagegen, in welchem wiederum 
Tertiärbildungen in grösserer Verbreitung zu Tage stehen und Dilu- 
vialabsätze entsprechend etwas mehr zurücktreten, hat die Bewegung 
sich wieder weiter nach Nordwesten hin fortgepflanzt. Ob Sigma-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.