Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

Eine Vermehrung der Fischfauna des Bodensees. 
Von H. Lanz in Friedrichshafen, 
Wie schon früher an andern Orten mitgeteilt wurde, ist der 
Bodensee durch Einsetzung des beliebten Donaufisches , den Zander 
(Lucioperca Sandra Cuv.), vor mehreren Jahren bereichert worden. 
Am 29. Oktober 1878 tagte in Friedrichshafen auf Anregung des 
Präsidenten des deutschen Fischerei- Vereins, Herrn von BEHR-SCHMELDOW, 
eine Versammlung von Fischern und Freunden der Fischerei, welcher 
Herr von BER, sowie auch der von der K. württ. Regierung abgesandte 
Vertreter, Herr Direktor v. Ruzrr, beiwohnte. 
Es wurde damals die Frage: „Wie der im Bodensee leider 
stark zurückgegangene Fischbestand wieder gehoben werden könnte“, 
eingehend besprochen und es wurden besonders Aale und californische 
Lachse zur Einsetzung empfohlen. Herr von BEHr erbot sich zu einem 
Versuche, die jungen einzusetzenden Fische als Geschenk des deutschen 
Fischerei-Vereins zu liefern, was selbstverständlich von der Versamm- 
lung mit Vergnügen angenommen wurde. 
Ich sprach damals Herrn v. Ruerr das Bedenken aus, dass 
diese zwei Fischarten, namentlich der Lachs, überhaupt für unsere 
Bodenseeverhältnisse und insbesondere für die Verhältnisse an unsern 
württembergischen Ufern kaum geeignet sein dürften, da dieselben 
als wanderlustige Zugfische den Rheinfall wohl hinunter- aber schwer- 
lich wieder heraufkommen würden. Auch würden diese Fischarten 
das klare, tiefe Fischwasser der Schweizerufer sowie die Strömung 
bei Konstanz, den durch die vielen Südweststürme stark versandeten 
schlammigen württ. Ufern vorziehen und sich infolgedessen dahin 
wenden, wo die physische Beschaffenheit des Wassers ihrem Naturell 
besser zusagt. Die gutgemeinte Absicht, den Fischbestand an unsern 
württ. Ufern im Interesse unserer einheimischen Fischer durch Ein- 
setzung solcher Wanderfischarten zu heben, dürfte daher in Bezug 
auf das Gelingen sehr fraglich sein und wir würden wahrscheinlich 
erleben, dass wir die Fische einsetzen und andere Fischer, nament- 
lich die abwärts des Rheinfalles wohnenden, sie wegfangen ehe sie 
wieder in den Bodensee gelangen würden, wenn dies überhaupt mög- 
lich wäre; was ich bezweifelte. 
Ich sprach damals ferner die Ansicht aus, dass es aus oben- 
erwähnten Gründen besser sein dürfte, solche Fischarten zu wählen, 
die zu ihrem Laichgeschäft nicht nötig haben, die Flüsse hinab oder 
hinauf zu wandern, sondern dies im Bodensee selbst besorgen können 
und namentlich auch an unsern württ. Ufern. Als eine solche Fisch-
	        

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