Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

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Dr. ALEXANDER GometTtTE: Abhandlungen zur Entwickelungs- 
geschichte der Tiere. Drittes Heft. Untersuchungen zur 
Entwickelungsgeschichte von Spongilla fluviatilis. 4°, 64 p. 5 Taf. 
Hamburg und Leipzig, Leopold Voss, 1886. 18. — Viertes 
Heft. Entwickelungsgeschichte der Aurelia aurita und Cotylo- 
rhiza tuberculata. 4°. 79 p. 9 Taf. Hamburg und Leipzig, Leopold 
Voss, 1887. 24, 
Von dem unsere Kenntnisse in der Entwickelungsgeschichte so 
vielfach förderndem Gelehrten liegen zwei neue Publikationen vor. 
Die erste beschäftigt sich mit der Entwickelungsgeschichte des Süss- 
wasserschwammes Spongilla fluviatilis. Das Spongillen-Ei entsteht 
durch Vergrösserung und Abrundung einer beliebigen Parenchymzelle 
als erste Anlage; diese teilt sich in mehrere Zellen, von denen eine 
die Vergrösserung fortsetzt, während die andern teils zur Herstellung 
des Follikelepithels mit benutzt, teils in den Follikel als Nährzellen 
eingeschlossen werden, so dass das reife Ei das Umbildungsprodukt 
einer Zelle in einen neuen, monoplastiden Körper darstellt. Die Weiter- 
entwickelung liefert eine Sterroblastula mit folgender Sterrogastrula, 
welche in der obern Hälfte des grosszelligen Entoderms eine exzentrische 
Höhle enthält. Durch Bewimperung des Ektoderms wird der Embryo 
zur Larve, welche innerhalb des Follikels, oder während der Schwärm- 
periode oder auch nach der Anheftung die Metamorphose beginnt, 
während deren das Ektoderm völlig verloren geht, so dass der 
künftige Schwamm mit allen seinen Teilen aus dem Entoderm hervor- 
geht. Die Entwickelung des gesamten Entoderms, dessen peripherische 
Schicht durch Zusammenrücken der Zellen die Epidermis bildet, wäh- 
rend im Entodermkern durch Zellenknospung die Geisselkammern, 
durch Auskleidung der Gewebslücken vermittelst Wanderzellen die 
Kanäle und Höhlen entstehen, ist eine gewebliche, indem dort all- 
gemeine Anlagen vom Werte der Keimschichten nicht nachweisbar 
sind. Die Gemmulae erweisen sich ihrer Anlage nach als Stücke 
des Schwammkörpers, dessen sämtliche Parenchym- und Epithelzellen 
durch Hypertrophie sich in kompakte Haufen indifferenter gleichartiger 
Elemente verwandeln. Übrigens besteht, wenigstens bei AAuviatilis, kein 
durchgängiger Wechsel der Fortpflanzungsweise nach den Jahreszeiten. 
Kine Vergleichung der Entwickelung des Süsswasserschwammes 
mit der der andern Schwämme und der Nesseltiere ergibt, dass die 
Cölenteratennatur der Schwämme oder ihre nähere Verwandtschaft 
Jahreshefte d. Vereins f, vaterl. Naturkunde in Württ. 1887, 3) 
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