Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 46, 1890)

34.
mit dem Klinopinakoid eine Fläche zu wechseln, welche beinahe
180° damit bildet, so dass dieses Pinakoid parallel c gestreift erscheint.
 Durch diese Oscillationen deutet sich aber keine Säule von
sehr grossem Index an, sondern diese Unebenheiten scheinen durch
Druck hervorgerufen zu sein, denn die Kombinationskanten verlaufen
nicht genau parallel c. Oben fehlt nie die negative Pyramide, häufig
durch —Poo abgestumpft, aber gerne zu Krümmung geneigt; die
hintere Pyramide +P tritt meistens etwas zurück. Die Krystalle
sind nun sehr lang, bis zu 20, ja 25 cm; Stücke von 17 cm Länge
sind nicht selten, 2—3 cm dick in der Orthodiagonale und 7—8 cm
breit von vorn nach hinten. Man findet die Krystalle ab und zu
aufgewachsen auf, Gipsthon, die neuestens gefundenen sind aber alle
allseitig krystallisiert entweder einzeln oder bilden sie unter mannigfaltiger
 Durchdringung hübsche Gruppen, die an die bunt sich durchkreuzenden
 Bergkrystalle der Schweiz erinnern. Häufig zeigen sie
Zwillingsbildung nach coPcwo, doch sind die beiden Individuen selten
ganz verwachsen, meistens nur seitlich, d.h. das linke Pinakoid des
vorherrschenden Krystalls mit dem rechten des zweiten oder umgekehrt.
 Zwar kommen wasserklare nicht gerade selten vor, doch
haben die meisten eine schwach rötlichbraune Färbung, nicht selten
sind sie etwas wolkig durch eingeschlossenen grauen Thon. Auffallend
 sind die verschiedenen Färbungen oft an einem und demselben
Stücke, eine Erscheinung, die sich namentlich bei Zwillingsstellung
schön macht. Über das Alter dieser Krystalle kann man nun sehr
genaue Angaben machen. Es ist ja bekannt, dass in unseren Salzbergwerken
 auf dem Holzwerk der unterirdischen Bauten Krystalle
in einfachen und Zwillingsindividuen vor unseren Augen entstehen,
wie auch auf den Dornsteinen zu Rehme bei Preussisch-Minden und
in den Spalten zu Friedrichsroda* sich heutzutage Gipskrystalle bilden.
 HILDENBRAND fand im Schlamm des Kanals, der vom „Ungeheuren
Brunnen“ bei der Station Hessenthal herkommt, ganz schöne Schwalbenschwanzzwillinge,
 die „sich wohl ohne Zweifel jetzt immer noch
aus dem Gipswasser bilden“ *. Inspektor Juncx fand 1890 im Schlamm
von Bohrlöchern, welche 1887 1000 m von Wilhelmsglück entfernt
im Streichen des Steinsalzes niedergetrieben worden waren, fest verwachsene
 Gruppen von wohlausgebildeten Gipsen. Ebenso sind die
oben beschriebenen grossen Krystalle sekundäre Bildung, und zwar
sind die einen höchstens in 17 Jahren, die anderen höch-'
 Quenstedt, Mineralogie p. 535.
? Quenstedt, Atlasblatt Hall p. 24.

186
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.