Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 46, 1890)

lose Windungen, in denen sich das Wasser staut und Sand und 
Schlamm sich ablagern; nach starken Regen sind sie aber wild und 
reissend. Die Formen beider zeigen grosse Übereinstimmung. Anc. 
Auviatilis MöLL. var. gibbosum Bovure. (vom Vereinsgebiet noch nicht 
angezeigt) sitzt an Steinen da, wo der Wasserlauf ein rascher ist; 
im Sand und Schlamm stecken An. mutabilis Cıess. var. anatına L. 
und Unio batavus Lam., letztere nicht in typischen Formen, sondern 
in vielen Abänderungen und Missgestaltungen, wie sie den kleinen 
Bächen eigen sind. Unterhalb Grözingen kommt in der Aich eine 
Anodonta vor, welche Herr Cısessın als neue Varietät bezeichnete. 
Er schrieb mir darüber: „Die als var. nova bezeichnete Art scheint 
mir wirklich eine neue Varietät darzustellen, die ich bis jetzt noch 
nicht bekommen habe.“ Nachdem ich Herrn CLzssın noch weiteres 
Material zugesandt hatte, teilte er mir mit: „Die Anodonta ist wirk- 
lich var. nova. Sie gehört zum Formenkreis der An. anatina, ist 
auffallend schmal schon bei den jüngsten Exemplaren; die Zuwachs- 
ringe sind ungewöhnlich schmal, und die Jahresabsätze stehen sehr 
gedrängt.“ Die typische Form der var. cellensis ScHrRöt. lebt in 
einem pflanzenfreien, humusreichen Altwasser der Aich bei Aich. 
Die Authmuth lässt in ihrem Oberlauf den Anc. Huviatilis 
MöLL. sehr zahlreich gedeihen, ebenso in ihrem ruhigen Unterlauf 
L. owvata Drr., L. neregra MörLL., Unio batavus Lam. typ. und An. 
mutabilis Cıess. var. anatina L. 
Bedeutender als in den Flüssen selbst ist die Ausbeute von 
Wassermollusken in den Altwassern des Neckars. Jedoch haben die 
Wassertiere hier guten Grund sich nach der „guten, alten Zeit“ zu 
sehnen, als noch vor der Neckarregulierung die Altwasser rechts und 
links vom Hauptbett nach allen Richtungen hin sich ausbreiteten. 
Jetzt sind viele Rinnen ganz trocken, und die noch übergebliebenen 
Reste gehen der Versumpfung und endlichen Vertrocknung entgegen. 
Wenn auch der Neckar bei grossen Überschwemmungen die alten 
Wege wieder betritt, so gereichen die Besuche seinen abgetrennten 
Gliedern nicht zur Belebung, sondern sie beschleunigen deren Aus- 
füllung, da ihm der mitgeführte Schlamm und Unrat in die Tiefen 
der Altlache entfällt. 
Für die Entwickelung der Molluskenfauna eines Altwassers ist 
es von Bedeutung, ob dasselbe mit einem fliessenden Wasser in Ver- 
bindung steht oder nicht, ob es von vielen Wasser- und Sumpf- 
pflanzen besetzt oder pflanzenfrei ist. Nur ein Altwasser steht mit 
dem Neckar in Verbindung, das bei der Neckarhauser Brücke. ın 
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