Il. Abhandlungen.
Beobachtungen über die Zunahme der Erdtemperatur,
angestellt im Bohrloch zu Sulz am Neckar.
Von F. Braun und K. Waitz.
1) Die Ermittelung der Temperaturveränderung mit dem Eindringen
ins Innere der Erde hat ein theoretisches und ein praktisches
Interesse. Theoretisch ist es für die Erkenntnis der Vergangenheit
und Zukunft unseres Planeten von grösster Wichtigkeit,
über dessen jetzige Wärmeverteilung etwas zu wissen, und praktisch
wird die Frage bei jedem Tunnelbau von Bedeutung, dessen Ausführbarkeit
zur Voraussetzung hat, dass im Innern des Berges die
Temperaturen nicht höher werden, als sie arbeitende Menschen zu
ertragen vermögen. Die Bestimmung der geothermischen Tiefenstufe
(d. h. der Anzahl von Metern, die man in dem Bohrloche hinabsteigen
muss, um 1°C, Temperaturzunahme zu erhalten) wird
freilich nicht direkt für die Temperaturberechnung in Tunnels verwendbar
sein; denn man weiss, dass unter freistehenden Bergen die
Isothermen von je 1° Temperaturdifferenz viel weiter auseinander
liegen als in der Ebene, und die Temperatur von der Oberfläche
eines Berges senkrecht nach innen also dort viel langsamer steigen
wird als in einem in einer Ebene vertical getriebenen Bohrloch. Immerhin
gibt sie Grenzwerte; daneben bleibt das theoretische Interesse bei
den Messungen übrig und die Frage, ob und wie weit die Bestimmungen
in verschiedenen Formationen untereinander übereinstimmen.
Auch ist zu erwarten, dass jede neue Versuchsreihe die Methodik
verbessert und somit wieder späteren Messungen zu gute kommt.
Man sollte daher keine der ja nicht gerade sehr häufigen Gelegen-Jahreshefte
d. Vereins f, vaterl, Naturkunde in Württ. 1892.