Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

= XCH— 
stehen in Vakuumröhren an der Stelle des Glases, wo die stärkste 
Fluorescenz auftritt, und sind für die menschlichen Sinne zu erkennen 
durch Fluorescenz und photographische Platten. In sehr instruktiver 
Weise stellt der Redner als Gegenstück zu den Eigenschaften der LE- 
NARD’schen Kathodenstrahlen die Eigenschaften der RönTGEN’schen 
Strahlen in folgender Weise zusammen: 1) sie durchstrahlen Metalle 
in dünnen Schichten, 2) durchstrahlen auch andere feste Körper in 
grosser Dicke, 3) die RönTeEn’schen Strahlen werden durch den 
Magnet nicht abgelenkt, 4) sind photographisch wirksam, aber auch 
durch dicke Körper hindurch, 5) werden nicht gebrochen, oder höchstens 
unnachweisbar, 6) werden nicht reflektiert, 7) werden in der Luft sehr 
wenig absorbiert, 8) ihre Ausbreitung ist geradlinig. Wenn demgemäss 
die RönTeEn’schen Strahlen in manchem den LENARD’schen Kathoden- 
strahlen ähneln oder in ihren Eigenschaften nur quantitativ verschieden 
sind, so sind sie in mehreren Punkten so sehr abweichend, dass man 
es entschieden mit etwas Neuem zu thun hat. Die Frage, was diese 
Strahlen sind, ob man es mit longitudinalen Schwingungen zu thun 
hat oder sehr kurzen transversalen Wellen, streift Redner nur kurz, 
hebt aber hervor, dass das Auftreten longitudinaler Wellen mit den 
beiden heute in Frage kommenden Lichttheorien, der MAxwELL’schen 
Lichttheorie, wie der elastischen zu vereinigen wäre. Was die prak- 
tische Verwertung der epochemachenden Entdeckung anbelangt, so ist 
Redner der Ansicht, dass es zunächst darauf ankommen würde, die 
Sensibilität der photographischen Platte für diese RönTeEn’schen Strahlen 
zu erhöhen, um die zur Zeit noch sehr lange Expositionsdauer herab- 
zusetzen. Während des Vortrags war eine photographische Aufnahme 
vorbereitet mit verschiedenen durchlässigen Stoffen, wie Aluminium, 
Hartgummi und Stanniol, und zugleich waren eine Reihe vom Vortra- 
genden angefertigte Platten aufgelegt. Zum Schluss seines mit rau- 
schendem Beifall aufgenommenen Vortrages konnte Redner das wohl- 
gelungene Resultat der während des Vortrags gemachten Aufnahme vor- 
zeigen und zeigte zugleich mit dem Projektionsapparat, der auch schon 
während des Vortrags mehrfach in instruktiver Weise zur Erläuterung 
von Zeichnungen in Dienst getreten war, eine Reihe von Aufnahmen 
mittels RönTGEn’schen Strahlen, die bereits im Handel zu haben sind, 
so die vielgenannte Knochenhand, ein Reisszeug u. s. w. — Anschliessend 
an den Vortrag zeigte Prof. Dr. Mack von Hohenheim einige Photo- 
graphien vor, die er mit RönrteEn’schem Verfahren gemacht und wobei 
er ebenfalls die Notwendigkeit langer Exposition und eines starken 
Induktoriums hervorhob. Prof. Mack zeigte speciell ein in einer Kas- 
sette aufgenommenes goldenes Armband und sodann eine Hand, unter 
welche Metallstücke gelegt waren, die in der Photographie deutlich zu 
Tage traten und teilte mit, dass er auf Veranlassung von Medizinalrat 
Dr. v. BurRcKHARDT die Hand eines Patienten aufgenommen, der in der 
Hand eine Revolverkugel stecken habe, und dass die Photographie deut- 
lich einen Fremdkörper erkennen lasse.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.