mirador : mirador

Geschichtliches aus dem Tübinger Forst.
Von F. A. Tscherning in Tübingen.
Ueber das einstige Vorkommen des Auerhahns im Schönbuch
 und in seiner Umgebung.
Wie von manchen anderen Vögeln wird auch vom Auerhahnen
angenommen, dass er einst allgemeiner verbreitet gewesen sei, als
jetzt, und soll er in früheren Zeiten, ohne Beschränkung auf Gebirgs
gegenden, alle grösseren zusammenhängenden Waldungen Nordasiens
und Europas bewohnt haben‘. Für die Richtigkeit der ersteren
Annahme liefert auch Württemberg mehrfache Belege. Während
der Vogel nunmehr in Oberschwaben auf den Höhenzug der Adelegg,
also an die südöstliche Landesgrenze, zurückgedrängt ist und sich
auf ausgedehnterem Gebiet nur noch im Schwarzwald behauptet,
kam er, wie Freiherr v. WAGNER in seiner Schrift über das Jagdwesen
 in Württemberg zur Zeit der Herzoge auf Grund eingehender
Archivalstudien nachgewiesen“, im 16. Jahrhundert auch noch in
anderen Teilen des altwürttembergischen Landes und zwar in den
Forsten Heidenheim, Urach und Leonberg als Standwild vor®. Nach
Berichten, welche Herzog JoHANnNn FrieDricH (1608—1628) eingezogen,
wäre er aber um das Jahr 1611 im altwürttembergischen Gebiet
bereits auf den Schwarzwald beschränkt gewesen, daher Freiherr
 v. WAGNER annimmt, seine Zurückdrängung auf diesen Landesı!
 Brehm’s Tierleben. 3. Aufl., Vögel 2. Bd. Leipzig u. Wien. 1891. 5. 475.
? Freiherr v. Wagner, k. württemb. Staatsminister, Das Jagdwesen in
Württemberg unter den Herzogen. Tübingen 1876. S. 184,
3 Wenn aus dem Umstand, dass noch die Biberacher Freipirschordnung
vom 13. Mai 1722 eine Schonzeit für Auergeflügel und Birkwild festsetzt (s.
Stisser, Forst- und Jagd-Historie der Teutschen. Jena 1738, Anhang. S. 134),
ein sicherer Schluss zu ziehen wäre, so hätte sich der Auerhahn im vorigen
Jahrhundert auch noch im nördlichen Teile des damals in der Hauptsache noch
nicht württembergischen Oberschwabens, also nicht bloss auf der Adelegg gefunden.
            
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