Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

Nekrolog 
des Professor Dr. Friedrich Nies 
von Prof. Dr. E. Fraas. 
Professor Dr. Friedrich Nies, ein treues und eifriges Mit- 
glied unseres Vereines, ist am 22. September 1895 in Hohenheim, 
der Stätte seiner 22jährigen Thätigkeit, einem schweren Leiden er- 
legen, das ihn viele Monate lang an das Krankenlager fesselte. Wer 
erinnert sich nicht mit Vergnügen seiner lebendigen und anregenden 
Vorträge, mit denen er uns so oft erfreut hat und die namentlich 
unsere wissenschaftliche Abende in Stuttgart belebten, und wie vielen 
war der stets freundliche und entgegenkommende Mann ein lieber 
Freund, dessen Herzensgüte und Liebenswürdigkeit unerschöpflich war. 
Nies war 1839 zu Leipzig geboren und dort aufgewachsen, 
auch seine Studien begann er an der Leipziger Universität, anfangs 
als Mathematiker, bald aber wurde in ihm von dem damaligen be- 
rühmten Mineralogen und Geologen Naumann die Liebe zu den 
Naturwissenschaften und speciell zur Mineralogie und Geologie ge- 
weckt, welchen er sich fernerhin ganz widmete. In Heidelberg 
studierte. und promovierte er mit einer „geologischen Skizze des 
Kaiserstuhlgebirges“ unter G. v. Leonhard, beteiligte sich dann 
1863 als Volontär bei den von Naumann geleiteten geologischen 
Aufnahmen in Sachsen, trat aber bald nachher bei Professor v. Sand- 
berger in Würzburg als Assistent am dortigen geologischen Institute 
ein. Dort begann er auch 1868 seine Lehrthätigkeit als Privat- 
docent für Geologie und Mineralogie und beschäftigte sich zugleich 
mit der Untersuchung der fränkischen Trias, indem er nicht nur 
ein specielles Aufnahmegebiet, den Keuper des Steigerwaldes (Würz- 
burg 1868), auf das sorgfältigste durchklopfte, sondern auch Ver- 
gleichspunkte in Württemberg und dem Elsass suchte. Damals mag 
sich wohl seine ganze besondere Vorliebe für Süddeutschland ent- 
wickelt haben, und diese wurde noch mehr befestigt, als er 1874 
einem Rufe nach Hohenheim an die dort neu gegründete Professur 
für Mineralogie und Geologie Folge leistete, einem Posten, welchen 
er mit aller Liebe und Hingebung bis zu seinem Tode bekleidete. 
In seiner Lehr- und Berufsthätigkeit ging er vollständig auf; wer 
den lieben Freund kannte, der weiss, wie er immer und immer be- 
müht war, für sein Kolleg neues Material zusammenzutragen und 
nicht zum wenigsten zeugt die Mineralien- und Lehrmittel-Sammlung,
	        

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