Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

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1) Eine ‚starke Gaise, Leber blau, Lunge gesund, Magen voll 
mit Forchen-Knospen und -Nadeln, gut an Wildbrät; 
2) ein Kitzbock, noch warm aufgefunden, völlig blutleer, sonst 
Lunge, Leber etc. gesund, Magen voll; 
3) eine starke Gaise, lebend eingefangen, rechter Lungen- 
fügel schwarzbraun und schmierig, linker zu */s ebenso, Magen voll, 
sonst gesund, verendete nach 36 stündiger Gefangenschaft. 
Aber auch das Körpergewicht der im Verlauf dieses Sommers 
erlegten Rehböcke lässt nicht ahnen, welch ungewöhnlich langen, 
kalten und schneereichen Winter diese Tiere kaum erst 
durchgemacht hatten. 
Seit 1. Juni d. J. wurden in den Staatsjagden des Reviers 
Schussenried bis Mitte September 23 Stück Rehböcke geschossen, 
welche in aufgebrochenem Zustand 359,5 kg wogen, d. h. durch- 
schnittlich einer 15,6 kg, 
Die ersten 23 Rehböcke aus dem Jahre 1894 hatten ein Gesamt- 
gewicht von 355,5 kg, d.h. es wog durchschnittlich einer 15,4 kg. 
Die 95er Böcke waren somit trotz des durchlebten harten 
Winters noch durchschnittlich um 0,2 kg besser an Wildbrät, als 
ıhre 94er Leidensgenossen, 
Dies ist auffallend, erklärt sich aber in ganz natürlicher Weise 
dadurch, dass die Böcke infolge des feuchtwarmen Frühjahrs 1895 
bald Grünfutter äsen und sich. damit rasch wieder restaurieren 
konnten, wie denn auch das Verfärben der Haare in durchaus 
normaler Weise vor sich ging, 
Mussten nun auch, wie wir gesehen haben, die Rehe im Revier 
Schussenried im Winter 1894/95 weder Hunger noch Durst leiden, 
da natürliche Nahrung, wenn auch nicht im Überfluss, so: doch in 
genügender Menge trotz der enormen Schneemassen erreichbar war, 
waren sie demgemäss auch zu Beginn des Frühjahrs nicht in auf- 
fallender Weise abgemagert, so zeigte sich doch an der Geweih- 
bildung, welch mächtigen Einfluss die kombinierten Wirkungen 
von monatelanger schmaler Kost, tiefem Schnee, 
grimmiger Kälte und dadurch bedingter mangelnder ge- 
nügender Bewegung und gestörter Verdauung auszuüben 
imstande waren. 
Bekanntlich werfen die Rehböcke alljährlich von Mitte November 
an’ihre Geweihe ab, um ‘sofort mit deren Neubildung zu beginnen, 
an welcher selbstverständlich die ganze Blutcirkulation den energisch- 
sten Anteil nimmt.
	        

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