Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 53, 1897)

Ueber den Einfluss der Umgebung auf die Gehäuse 
der Mollusken. 
Von 8. Clessin. 
Bei dem eigenartigen Verhältnisse, in welchem die Schale der 
Mollusken zum Tiere steht, ist es natürlich, dass die Schale mehr 
von der Umgebung beeinflusst wird, als das Tier selbst, da ja die 
Schale die Aufgabe hat, die äusseren schädigenden FKinflüsse dem 
Tiere fernzuhalten. Das Tier mit seinem weichen Körper erhält durch 
die Schale die Möglichkeit, nicht nur die schädigenden Witterungs- 
einflüsse zu ertragen, sondern sich auch gegen andere schädigende 
Einflüsse der nächsten Umgebung zu schützen. Bei trockener Witte- 
rung zieht sich das Tier in seine Schale zurück und verschliesst die 
Mündung derselben mit einem häutigen Deckel, so dass die Ver- 
dunstung des reichlich im Körper des Tieres vorhandenen Wassers 
nahezu unmöglich wird. Im Winter verkriechen sich die Land- 
schnecken in den Boden, verschliessen ihre Gehäuse mit kalkigen 
oder häutigen Deckeln und überdauern auf diese Weise selbst strenge 
Winter ohne Schaden. — Wasserschnecken können im Sommer, ın 
feuchte Erdspalten verkrochen, das Gehäuse mit häutigem Deckel 
verschlossen, monatelang aushalten, ohne zu Grunde zu gehen, wenn 
das Wasser ihres Wohnortes ausgetrocknet ist. Ja, selbst Muscheln 
(Spatha-Arten) überdauern im heissen Afrika die Sommermonate im 
feuchten Schlamm eingebettet. 
Das Gehäuse ist deshalb für das Tier von der grössten Wichtig- 
keit, trotzdem es nur durch einen Muskel, den Spindelmuskel, mit 
dem Tiere zusammenhängt und daher eigentlich nur eine sehr lose 
Verbindung zwischen den beiden Teilen besteht. Bei den Gehäuse- 
schnecken ist in der Regel die Stelle, an welche der Spindelmuskel 
angewachsen ist, nicht sichtbar, weil dieser Muskel, der das 
Tier an die Spindel des Gehäuses anheftet, mit zu- 
nehmender Grösse desselben sich nach vorne schiebt
	        

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