Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 53, 1897)

Anleitung und Einladung zur Beobachtung der 
Halophänomene. 
Die Lichtstrahlen der Sonne, des Mondes und heller Sterne 
erzeugen durch Brechung bezw. Reflexion in und an den Eiskryställ- 
chen, wenn solche in grösserer Zahl über eine erhebliche Strecke 
in bestimmter Lage sich befinden, Bilder mannigfacher Form, die 
„Halophänomene‘“. Sehr selten wurden dieselben beobachtet in KEis- 
kryställchen, die auf dem Erdboden liegen, häufiger aber auch noch 
selten in solchen, die in der den Beobachter unmittelbar umgebenden 
Atmosphäre schweben, so dass sie z. B. zwischen dem Beobachter 
und einem entfernteren Gegenstand sich ausbilden; in der Regel und 
zwar gar nicht so selten als man gewöhnlich meint, finden sie sich 
in Eiswolken oder -schleiern in verschiedener Höhe der Atmosphäre 
oberhalb des Beobachters. 
Die häufigste Form ist ein Kreis um das ihn erzeugende Gestirn 
als Mittelpunkt vom Radius von ca. 23°, d. h. die Linien Auge/Gestirn 
und Auge/Kreis bilden einen Winkel von ca. 22—23°. Der Kreis 
zeigt die Regenbogenfarben mit Rot auf der Innenseite beginnend 
(im Gegensatz zum Regenbogen, wo das Rot auf der konvexen Seite). 
Meist ist nur das Rot auf der Konkav-, nächst häufig auch noch ein 
bläulicher Ton auf der Konvexseite wahrzunehmen. Der Kreis hat 
ungefähr eine Mondbreite. Die innere, dem Gestirn zugekehrte Seite 
ist ausnahmslos schärfer begrenzt; die Fläche zwischen Halo und 
Gestirn ist eigentlich lichtleer und fast immer bedeutend dunkler als 
die ausserhalb desselben befindliche. Der Halo wie alle Formen 
dieses Phänomens ist meist nur in Bruchstücken ausgebildet mit 
besonderer Bevorzugung des oberen, d. h. zenithwärts gelagerten 
Gebietes. Nächst häufig sind die Nebensonnen, Parhelien, und Neben- 
monde, die in gleicher Höhe mit dem Gestirm und von diesem 
ca. 23% entfernt, also ungefähr auf dem ebengeschilderten Kreise
	        

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