Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 53, 1897)

Beitrag zur Moosflora des schwäbischen Jura. 
Von Fr. Müller in Varel (Oldenburg). 
Bei einem fast vierzehntägigen Aufenthalte in Sigmaringen im 
Juli 1896 war es mir vergönnt, eine Anzahl herrlicher Ausflüge in 
die Umgegend dieses durch seine Lage so sehr bevorzugten Ortes 
zu machen. Welcher Pflanzenfreund, der zum ersten Male in solch 
eine Gegend versetzt wird, möchte da nicht sammeln wollen! Aber 
das Sammeln und Zubereiten von höheren Pflanzen für Herbarzwecke 
erfordert Zeit und veranlasst mancherlei Umstände, die der Gast dem 
freundlichen Wirte nicht zumuten will. Anders dagegen verhält es sich 
mit dem Sammeln von Moosen: sie können im Vorübergehen leicht 
aufgenommen werden, lassen sich selbst in grösserer Anzahl bequem 
transportieren, erfordern vorderhand meist keine weitere Arbeit, 
als dass man sie einzeln einwickelt und mit Standortsangabe ver- 
sieht, und können später zu beliebiger Zeit mit Wasser wieder auf- 
gefrischt, präpariert und näher untersucht werden. Dass die Moose 
der Kalkberge auf den Bryologen, der sonst nur gewohnt ist, in kalk- 
freier Gegend in Sümpfen und auf ausgedehnten Heiden zu sammeln, 
eine grosse Anziehung ausüben, ist selbstverständlich. Wer könnte 
da widerstehen, von. den riesigen Polstern von Hypnum rugosum, 
Anomodon-, Neckera-, Thwidium-, Madotheca- und andern Arten 
etwas mitzunehmen! Als mit dem Aufnehmen aber einmal der Anfang 
gemacht war, fanden sich bei den Spaziergängen auch bald günstige 
Gelegenheiten, wo ich eingehender auf den Felsen Umschau halten 
und auch weniger in die Augen springende Arten entdecken konnte, 
die dann ebenfalls in den Taschen Platz fanden. So habe ich in 
jenen Tagen eine kleine Sammlung von Moosen meist bei gelegent- 
lichen Spaziergängen in Begleitung anderer, aber auch bei ein paar 
eigens zum Zwecke des Sammelns unternommenen Streifzügen be- 
kommen, die mir ein bleibendes Andenken an jene in Sigmaringen 
verlebte Zeit und die schönen Punkte seiner Umgebung sein wird.
	        

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