Objekt : Plan-Fragmente aus der deutschen Dombauhütte von Prag in Stuttgart und Ulm

Stuttgarter Fragment Ur. 3x: Aufriß einer
Planbearbeitung des Münsterturmes von Freiburg / Br. Parlerkreis

Im Einband des gleichen Steuerbuches von Stuttgart aus dem Jahre 3534, dessen äußerer
Umschlag durch das Pergamentstück gebildet war, auf dem sich die Fragmente Vr. y r und yv
erhielten, befand sich, verklebt mit Makulatur aus verschiedenen Akten, auch das Pergament
mit den Zeichnungen Vr. zr und zv. Bei dem Fragment Ur. zr hat der Buchbinder des
Zteuerbuches die ursprüngliche Zeichnung oben und unten so stark beschnitten, daß von dem aus—
gesprochen senkrecht betonten Aufriß ein breitrechteckiger Streifen übrigblieb, der in den
ꝛ7 em hohen und zweimal 20em breiten Einbanddeckel des Steuerbuches eingelegt werden
konnte. So erklären sich die Maße dieses Fragmentes: 40,8 em breit und 27 em hoch. Damit das
Faksimile diesmal die originale Größe der Zeichnung geben konnte, sind hier die leeren Ränder
des Pergamentes weggelassen (Tafel V). Die Zeichnung selbst ist z7 em breit und 26,8 em hoch.
Ihr palimpsestartiges Aussehen erklärt sich aus der geschilderten Verwendung; als Einband⸗
fülle war sie mit allerlei Makulatur verklebt. Abb. 6 gibt ergänzend eine strichgetreue Kopie.
NAur auf dem Original ist zu sehen, daß die rechte zzälfte der Zeichnung durch das Einkleben
stärker verblaßt ist. Doch bleiben auch hier alle Striche deutlich erkennbar. Ebenso wie die bisher
untersuchten Stücke ist auch das vorliegende Fragment später nicht verändert worden. Aus einer
Kekonstruktion von Auf⸗- und Grundriß, wie sie hier möglich sein wird, ergibt sich, daß die
Breite ursprünglich nicht viel größer war; etwa 40 em betrug. Die öohe des Fragmentes ist
dagegen nur knapp ein Siebentel der ursprünglichen. Der Aufriß muß rund j 90 em hoch gewesen
sein. Aus solch originalem Format lassen sich auch wiederum für die Zeichnung auf der Rückseite,
den Grundriß Vr. z v, Schlüsse ziehen. Zier wird ferner sehr deutlich, daß der Buchbinder des
Steuerbuches von 1534 noch eine Anzahl weiterer Bände aus dem, von solchen Werkzeich—
nungen gewonnenen Pergament hergestellt haben muß. Allein aus dem hier zu untersuchenden
Uufriß ergaben sich ihm noch sechs weitere Stücke im Buchformat des Fragmentes Ur. 37.
Die zeichnerische Technik unterscheidet sich nicht von der bisher festgestellten: Alle Geraden,
auch Bogenlinien mit Reißziehfeder; Einzelheiten nachher freihändig mit Rohrfeder. Die Zeich—
nung geht aber viel mehr ins Detail, als das bei den Fragmenten Vr. yr und v der Fall ist.
Von diesen unterscheidet sie sich auch durch sicherere Zandhabung der Rohrfeder. Selbst dieser
Unterschied muß aber nicht zinweis auf einen anderen Autor sein. Er kann auch durch ver—
schiedenartige Vorlagen erklärt werden. Im vorliegenden Fragment ist die Rohrfeder so sicher
verwendet, daß sich der Duktus ihrer Linien von dem, was durch Reißziehfedern gewonnen
wurde, fast nicht unterscheidet. Zierin, auch in der signetartig sicheren Abkürzung, die überall
für die Wiedergabe von Krabben anttewendet wurde, ähnelt das Aufrißstück sehr dem Entwurf
für das Adalbertsttrab.
            
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