Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 55, 1899)

Die Bildung der germanischen Trias, eine petrogenetische
 Studie.
Von Professor Dr. E, Fraas
Gedruckt im Januar 1899.
Einleitung.
Faciesdifferenzierung, d. h. die Verschiedenartigkeit ein
und desselben geologischen Horizontes sowohl bezüglich seiner Gesteinsausbildung,
 wie der in den Schichten enthaltenen Versteinerungen,
 welche ihrerseits die Fauna und Flora der damaligen Zeiten
darstellen, lässt sich in allen Formationen der Erde beobachten und
das Studium derselben gehört zu den interessantesten Aufgaben, welche
sich der Geologe gestellt hat. Erst die Erkenntnis der Facies giebt uns
Aufschluss über die Lebensbedingungen und die Verhältnisse in einer
geologischen Periode und mit vollem Recht ist deshalb die Geologie
von dem Studium der Stratigraphie, d. h. der Aufeinanderfolge und
Gliederung der Schichten zu der viel schwierigeren, aber auch
lohnenderen Aufgabe der faciellen Unterscheidungen übergegangen.
Wir können schon heute, obgleich wir noch ganz am Anfange dieser
Untersuchungen stehen, sagen, dass die Schwierigkeiten sich in demselben
 Verhältnisse mehren, je genauer wir eine Formation untersuchen.

Dass die Ausbildung einer Formation nicht über die ganze Erde
hin eine gleichmässige sein kann, ist ja selbstverständlich, denn sie
würde eine vollständige Gleichmässigkeit aller Lebensbedingungen,
aller Zufuhr- und Wasserverhältnisse etc. voraussetzen. Ein Blick
auf die Jetztwelt aber zeigt uns, wie mannigfach selbst innerhalb
kleiner Bezirke die Bedingungen sind, welche bei der Bildung der
Formationen in Frage kommen. Wir kommen zu dem Schlusse, dass
die Möglichkeit, wie ein geologischer Horizont auf weite Strecken
sich vollständig gleichbleiben konnte, viel schwieriger auszudenken
und zu erklären ist, als die Erscheinung, dass ein mannigfacher
            
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