Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 55, 1899)

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und Franken, anderseits ist die Muschelkalkdecke selbst abgetragen, 
so dass nur der Buntsandstein übrig geblieben ist, so am Erzgebirge, 
Riesengebirge und den Sudeten. Nur in den Auswürflingen der Vul- 
kane unserer schwäbischen Alb!, wie in den Überschiebungsbreccıen 
des Rieses haben wir eine Andeutung davon, dass in diesen Gebieten 
zwar noch Buntsandstein in der Tiefe unter dem Jura sicher vor- 
handen ist, der Muschelkalk dagegen entweder ganz zu fehlen oder 
doch nur sehr schwach entwickelt scheint. Gegen Norden ist die 
Ausdehnung des gesamten Muschelkalkes bis Helgoland erwiesen ?, 
ebenso wie die isolierten Punkte bei Lüneburg und Rüdersdorf auf 
eine allgemeine Verbreitung des Muschelkalkes in der norddeutschen 
Tiefebene hinweisen. 
Inwieweit einzelne Gebirgsstöcke als Insel über das Muschel- 
kalkmeer hervorragten, ist immer schwierig und unsicher zu ent- 
scheiden. Vom Harz ist es mit einiger Sicherheit anzunehmen, 
ebenso wie die verschiedenartige und nur mit den südlichen, nicht 
aber mit den östlichen Gebieten in Einklang stehende Entwickelung 
in der Eifel dafür spricht, dass dort eine Scheidewand zwischen 
Westen und Osten war; es würde demnach anzunehmen sein, dass 
wenigstens einzelne Teile des Hundsrück, Taunus, Westerwaldes und 
Sauerlandes nicht vom Meere bedeckt waren. Sicher ist dagegen 
im Schwarzwald und den Vogesen eine Decke von Muschelkalk über 
den Buntsandsteingebieten und wohl weit noch über das heutige, durch 
Denudation entblösste krystalline Gebirge weggreifend anzunehmen ; 
die Hardt, der Odenwald und Spessart, ebenso wie das ganze 
Thüringer Land, den Thüringer Wald nicht ausgenommen, waren 
alle von mächtigen zusammenhängenden Muschelkalkschichten be- 
deckt, deren Verband erst später durch Dislokationen und Ab- 
waschungen gelöst wurde. 
Gesteinsausbildung. 
Der Gesteinscharakter des Muschelkalkes ist im grossen 
Ganzen derjenige einer marinen Bildung. Kalksteine und Thone z. T. 
mit dolomitischer Beimengung wiegen vor, doch fehlt es an jenen 
echt marinen, d. h. oceanischen Gesteinsarten, z. B. dem reinen 
zoogenen Kalkstein und Dolomit der Rifffacies, ebenso wie an Tiefsee- 
ablagerungen. In geradezu staunenerregender Gleichmässigkeit finden 
* Branco, Schwabens 125 Vulkan-Embryonen. Diese Jahresh. 1894. 8. 567. 
” Dames, Sitzungsber, d. k. Akad. d. Wissensch. z. Berlin. Phys.-math. 
K] 1893 L.\S/ 1019: 
SO
	        

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