Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 55, 1899)

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blossen „Steinkern“ eines fossilen Bauchfüsslers (Pleurotomaria, 
Nerinea, Solarium etc.) kann man daher meist herzlich wenig an- 
fangen, d. h. es ist rein unmöglich, mittels seiner die Species zu 
bestimmen. Das ist ganz anders und weit günstiger bei den Ammons- 
hörnern. Denn da deren ohnehin dünne Schalen auf der Unter- 
seite die Suturen der Kammerscheidewände (die Lobenlinien) tragen, 
so haben sich diese auf den Stein- oder Kieskernen aufs genaueste 
eingedrückt, wie denn überhaupt ein derartiger Kern ein durchaus 
entsprechendes Bild der einstigen Ammonitenschale darstellt, da die 
sämtlichen Verzierungen der letzteren, Rippen und Runzeln (z. B. 
die spiralen Streifen auf den Amaltheen), Knoten und Stacheln, Kiel 
und Sipholinie, in vollkommener Weise darauf ausgeprägt sind. Muss 
man ja doch bei Exemplaren, die etwa noch mit Schale bedeckt 
sind, dieselbe geradezu ablösen, wenn man die Loben erkennen und 
danach die Species bestimmen will. Für die Wissenschaft also und 
die wissenschaftliche Betrachtung der Ammoniten bedeutet das Fehlen 
der Schale keinen grossen Verlust, bietet vielmehr in mancher Hin- 
sicht wesentliche Förderung. Immerhin aber dürfen wir nie ver- 
gessen, dass auch der schönste und gar glanzvoll in die Augen 
fallende „Ammonit“ unserer Sammlungen beim Licht betrachtet meist 
nur einen jämmerlichen Torso bildet, und dass es uns nie gelingen 
wird, ihn in seiner alten Herrlichkeit mit vollkommen erhaltener 
Schale, so wie er im Leben ausgesehen hat, geschweige denn das 
Tier, jemals zu Gesicht zu bekommen. 
Bleiben wir bei den schwäbischen Juraammoniten und gehen 
zu diesem Ende die 18 „Buchstaben“ (3 mal 6 Schichten) desselben 
in der Weise durch, dass wir auf den darin sich findenden Erhaltungs- 
zustand der Stücke achten, so wird es sich hier in erster Linie darum 
handeln, die Vorkommnisse und Thatsachen selbst aufzuzeigen, so- 
dann aber die Ursachen anzugeben, welche die jeweils so verschie- 
dene Art der Erhaltung bewirkt haben. 
Konstatieren wir also 
I. die Thatsachen 
und suchen zunächst nach Ammonitengehäusen, die 
1. in jeder Beziehung vollkommen 
erhalten sind; bei denen man also die vollständige Schale mit 
Mundsaum und Ohren, eventuell mit Aptychus und vorspringendem 
Kiel, und zwar alles in unverdrücktem Zustand zu sehen be- 
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