Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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ähnlich dem gegen Ende der dritten Vereisung, das noch heute 
mit seinen monotonen horizontalen Thalsandflächen die landschaftliche 
Physiognomie des norddeutschen Tieflandes ebenso beeinflusst, wie die 
Anordnung der Hauptverkehrswege. Kine während dieser Abschmelzperiode 
noch immer mächtige Eiscalotte im nördlichen wie im südlichen Vereisungs- 
centrum erzeugte nach wie vor von dieser abfliessende trockene Winde, 
die in die jetzt eisfreien Regionen gelangend, sich erwärmen und damit 
noch trockener werden. Die gleiche Wirkung von zwei Seiten bewirkte 
aber heftige Luftwirbel, die nun lange Zeit hindurch den lockeren 
alten Gletscherboden aufarbeiteten, das staubfeine Material fortführten 
und als Löss an den Hängen der Randgebirge und über diese hinweg 
in Depressionen derselben zur Ablagerung brachten. Das Tundrengebiet 
wird zu einer ausgedehnten Steppenregion oder geht in eine solche 
über. Die in den Schluss der Haupteiszeit fallende Lössbildung ent- 
spricht also einer Stillstandslage, die aber wahrscheinlich einen so langen 
Zeitraum während dieser Abschmelzperiode umfasst, um selbst wieder 
als eine besondere Episode in der Haupteiszeit betrachtet wer- 
den zu können und gehört im eigentlichen Sinne noch nicht der Inter- 
glacialzeit an. Diese bricht erst herein, als die Inlandeismassen immer 
mehr zurückweichend im Norden und Süden auf ein äusserstes Mini- 
mum reduziert werden. Als dieser Zeitpunkt erreicht ist, schliesst auch 
die Lössbildung ab; denn mit dem stärksten Schwinden der Eismassen wird 
die Herrschaft der Steppenwinde gebrochen und westliche regenbringende 
Luftströmungen ‘können ungehindert einsetzen; durchaus gemässigtes 
Klima mit typischer Waldvegetation sind bezeichnend für die Inter- 
glacialzeit, das ergiebt sich aus diesen Erwägungen und das beweisen 
auch die Floren in den echten interglacialen Ablagerungen des alpinen 
und norddeutschen Diluvium. Die reichlichen Niederschläge im Verein 
mit der kräftig sich entwickelnden Vegetation leisten sehr energischen 
Verwitterungserscheinungen Vorschub, besonders bewirken diese auf den 
Lössarealen eine bezeichnende Veränderung. Die alte Lössdecke verlehmt. 
Aber nochmals tritt ein Umschwung ein. Von neuem rücken die 
Eismassen von Norden her, wie auch aus den Alpen, vor. Die letzte 
Inlandeisbedeckung beginnt, sie entwickelt sich zwar beträchtlich ge- 
ringer als die in der Haupteiszeit, aber doch noch bedeutend genug, 
um diejenigen meteorologischen Bedingungen wiederherzustellen, die 
am Ausgange der Haupteiszeit zur Steppenbildung indem eisfreien 
Vorlande führten. Die westlichen Winde werden verdrängt von den 
trockenen Eiswinden, in verzweifeltem Ringen unterliegt der Wald dem 
Steppenklima, nur an begünstigten Stellen sich haltend. Ein zweiter 
jüngerer Löss lagert sich auf der verlehmten Oberfläche des älteren 
ab. Damit entsteht jenes überaus bezeichnende Verbandverhältnis im 
Lössprofil, was sich am allerwenigsten mit einer fluviatilen Ent- 
stehung des Löss in Einklang bringen lässt. Die alte, zwischen beide 
Lösse eingeschaltete Lehmzone repräsentiert gleichzeitig eine Art von 
Kulturschicht, denn am häufigsten in ihr finden sich die ersten und 
ältesten Spuren menschlichen Daseins, wie das ja auch den erörterten 
klimatischen Verhältnissen am besten entspricht.
	        

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