Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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kussion wurden die Cementfärbemittel erläutert. Über den chemischen 
Prozess beim Abbinden des Cements gilt immer noch die Theorie von 
Dr. Fucms, wonach beim Brennen die kieselsaure Thonerde durch Ätz- 
kalk aufgeschlossen wird, wodurch sich kieselsaurer Kalk und Kalkalu- 
minate mit Hydraten bilden. Jedoch ist mit diesem eine vollständige 
Aufklärung noch nicht gegeben. 
Der Vorsitzende dankt dem Redner, den er als den Cement zwischen 
den beiden versammelten Vereinen bezeichnet. 
Im Anschlusse an den vorhergehenden Vortrag bespricht Dr. Fraas- 
Stuttgart die von Dr. Leube aus den Cementsteinbrüchen ausgestellten 
Gesteine und Petrefakten. Die ersteren seien als stalaktitischer Kalk- 
spat in Klüften entstanden; darauf bildeten sich kleine hexaedrische 
Quarzkrystalle , von Tertiärinfiltrierungen herrührend, auch Gips. An 
Petrefakten liegen vor Ammonites Ulmensis und ein grosser Pecten tegelatus 
Die Cementschichten, die sich von Ehingen über Ulm ins Brenzthal bis ins 
Ries erstrecken, sind Faciesbildungen, durch Organismen, Meeres- 
strömungen und verschiedene Tiefen bedingt. Die klotzigen Weiss- 
Jura-s-Kalke mit Spongien, Korallen sind als Korallenriffbildungen 
zoogenen Ursprungs. Dazwischen haben sich durch Auflösung und 
Umwandlung des Kalks die e-Bänke in Lagunen abgelagert als Schlamm 
und Schlick, nur in der Nähe der Küste, was durch das spärliche 
Vorkommen von Fossilien bewiesen wird. Der Amm. Ulmensis z. B. 
kommt wie heute der Nautilus im Indischen Ocean nur als ausgeworfene 
Schale vor. Pecten tegelatus und Mytilus amplius, mit ihrer dicken 
Schale kommen nur an den Brandungsküsten vor. . 
Pfarrer Dr. Engel weist sodann in kurzen Worten auf das Vor- 
kommen von verwilderten Pflanzen am Michelsberg bei Ulm hin, wie 
Eranthis, Helleborus viridis, Narcissus ypoecticus, was Dr. Leube in 
Zusammenhang mit dem früheren Mönchskloster daselbst bringt. Auch 
andere offenbar verwilderte Pflanzen vom Illerthal, der rauhen Alb ete. 
werden besprochen. 
Beim Schlusse der langen Sitzung ladet der Vorsitzende zum 
Besuche der im Juli zu Memmingen gemeinschaftlich mit dem schwäbisch- 
bayrischen naturwissenschaftlichen Vereine stattfindenden Versamm- 
lung ein. » (Oberschwäb. Anz. No. 120b, 5. Mai 1900.) 
Versammlung zu Memmingen am 4. Juli 1900, 
Angelockt durch die alte Reichsstadt Memmingen und die von 
Prof. Dr. Penck dort gemachte Entdeckung einer vierten Eiszeitperiode 
richtete sich die Sommerexkursion des Oberschwäbischen 
Zweigvereins für vaterländische Naturkunde am 4. Juli 
dorthin, wo auch der schwäbisch-bayrische naturwissen- 
schaftliche Verein aus Augsburg eingetroffen war. Nach Ankunft 
um 10 Uhr 22 Min. wurde der Rundgang unter Führung von Med.-Rat 
Dr. KoLLER und Prof. Dr. MıEDEL angetreten, wobei zuerst die unter 
Stadtpfarrer BRAUN im Jahre 1891 durch Kunstmaler HAAGENMÜLLER aus
	        

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