Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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lich-süddeutschen Mittelgebirgen vorzukommen. Es wäre darum be- 
sonders darauf zu achten, ob er in den Mittellagen der Schweiz 
nicht vorkommt. Vielleicht ist er dort bisher nur deshalb nicht ge- 
funden, weil er dort selten ist, und das liegt vielleicht daran, dass 
er unterhalb der Baumgrenze, den Nadelwald meidet. Er ist mir 
auch thatsächlich in dem ganz vorwiegend mit Nadelholz bestandenen 
bayrisch-böhmischen Walde nur zweimal vorgekommen. 
Die Fauna der Oberelbe (bei Aussig) hat ein schon aus- 
gesprochen östliches Gepräge, wie besonders das Auftreten von 
Brachyiulus projectus, Iulus ciliatus bükkensis, Cylindroiulus Horvathi, 
Strongylosoma pallipes und Heteroporatia bosniense zeigt, sowie das 
Fehlen einer Reihe westlicher Formen. Ein Tier, welches viel weiter 
als ich bisher vermutete, von Osten her in Deutschland eingedrungen 
ist, haben wir in Brachyiulus umilinecatus, dem Charaktertier der 
ungarischen Steppe. Es ist an der Oberelbe angelangt und durch 
Bayern bis tief nach Württemberg eingedrungen, auch hier überall 
durch offene und trockene Gelände weiter vagabundierend. Man 
könnte es den Zigeuner unter den Diplopoden nennen. Sehr inter- 
essant ist das Vorkommen von vier Charakterformen im bayrisch- 
böhmischen Waldgebiete. Der Regenfluss dürfte für dasselbe eine West- 
grenze bilden und wahrscheinlich überhaupt für die Gattungen Oro- 
bainosoma, Ceratosoma und Heteroporatia. Dass Glomeris pustulata 
LATtz. in Süddeutschland wirklich vorkommt und nicht selten ist, 
haben mir die Stücke gezeigt, welche in grösserer Zahl im Stutt- 
garter Museum vorhanden sind. Überrascht hat mich dagegen das 
Auftreten der Glomeris conspersa tridentina LaTZz., die ich selbst an 
der Rauhen Alb auffand und sogar in einer neuen, recht bemerkens- 
werten Varietät, var. Fischeri. Hervorzuheben ist auch das massen- 
weise Auftreten des Cylindroiulus frisius VER. im K. Park zu Stutt- 
gart an grossen, aufgeschichteten Lagern faulender Blätter, noch 
mehr aber das der Orthomorpha gracilis C. K. Dieses bisher nur 
aus Treibhäusern bekannte Tier ist hiermit zum ersten Male im 
Freiland beobachtet worden, es ist aber offenbar, dass es sich im 
Winter tief in die Blätterlagen vergräbt, deren Fäulnisprozess zweifel- 
los so viel Wärme entwickelt, wie diese tropischen Tiere not- 
wendig haben. 
Gelegentlich eines mehrtägigen Aufenthaltes in Stuttgart habe 
ich auch das dortige süddeutsche Material an Diplopoden teilweise 
angesehen und später sandte mir Herr Prof. LAmpreErt das übrige 
noch zur genaueren Prüfung ein. Es zeigte sich, dass ich auf meiner 
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