Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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nach dem trüben oder hellen Wetter. Da ferner in meines Vaters, 
als eines stark beschäftigten Arztes, Aufzeichnungen viele Lücken 
waren, teils einzelner Tage, teils ganzer Wochen, so suchte ich diese 
Lücken durch Vergleichung mit den gleichzeitigen Beobachtungen 
von Stuttgart, die in der Schwäbischen Chronik veröffentlicht wurden, 
nach dem von den neuesten Jahrzehnten bekannten Verhältnis 
zwischen Stuttgart und Calw auszufüllen. Die letzte grosse Lücke 
ist Februar und März 1810. Kleinere Lücken von 3 bis 4 Tagen 
finden sich nachher noch im Mai 1810, sodann im Oktober 1813, 
Juli 1815, Mai 1816, Oktober 1821, November 1822, Juni 1826. Von 
1827 an keine Lücke mehr, weil da mein Bruder schon an des Vaters 
Seite thätig war. Mittagsbeobachtungen, die in den früheren Jahren 
mehr oder weniger selten waren, finden sich von 1816 an ziemlich 
regelmässig. Durch diese Ausgleichungen glaube ich schon in den 
ersten Jahren brauchbare, der Wahrheit sehr nahe kommende Kr- 
gebnisse der Temperatur gewonnen zu haben und für die nächsten 
Jahrzehnte, wo die Aufzeichnungen vollständiger waren, wurde die 
Sache leichter und sicherer. 
I. Ort und Stelle der Beobachtungen. 
Die Stadt Calw liegt (48° 43‘ n. Br., 34° 58‘ ö. L. von Green- 
wich) in dem ziemlich tief eingeschnittenen Thale der Nagold, welche 
der Hauptsache nach in nördlicher Richtung durch die Stadt fliesst. 
Die Thalsohle, soweit sie bei Überschwemmungen vom Wasser be- 
deckt wird, ist nur 90—150 m breit. Der Spiegel der Nagold liegt 
329—330 m über dem Nullpunkt der Nordsee. Die Berghänge öst- 
lich und westlich bis zur Entfernung von 1 km (bei der Schafscheuer 
und beim Calwer Hof) erheben sich ungefähr bis 200 m über der 
Nagold. Das Haus, in welchem das Jahrhundert hindurch fast immer 
die Witterungsbeobachtungen angestellt wurden, steht am westlichen 
Bergabhang auf dem Marktplatz, die Front nach NO. gerichtet. Die 
Beobachtungsstelle ist 350 m über dem Meer (der Bahnhof 348 m). 
Nur von 1798—1808 wohnte und beobachtete mein Vater in einem 
anderen, nicht weit entfernten Hause von ungefähr gleicher Höhe, 
und von 1877 an bis Mai 1886 (nach dem Tode meines Bruders bis 
zu meiner Pensionierung) beobachtete ich in der Rektoratswohnung, 
6 m höher und 36 m westlicher; seit dem aber in meiner väterlichen 
Wohnung. Es dürfen demnach füglich die Beobachtungen im ganzen 
Jahrhundert als an einer und derselben Stelle vorgenommen betrachtet 
werden.
	        

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