Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

ab. Der Wert der ausgestrahlten Wärme wird aber jedenfalls um 
so geringer sein, je kürzere Zeit sich die Temperatur unter dem 
Mittel erhält und je weniger sie unter das Mittel sinkt. Daraus 
folgt unter sonst gleichen Verhältnissen, dass ein warmer und kurzer 
Winter die Mitteltemperatur erhöhen muss, während ein kalter und 
langer Winter sie herabdrückt. Die daraus hervorgehenden Resultate 
sind aber höchst verwickelt.“ (E. J. Sronz zu Greenwich im 
Philos. magaz. 1865, No. 199, p. 135.) 
Derzeit hat die nördliche Hälfte ihren Sommer in der Sonnen- 
ferne, den, dazu kürzeren, Winter aber in der Sonnennähe und also ge- 
ringere Erkältung; in 10000 Jahren ist das Verhältnis umgekehrt, 
während in 20500 Jahren wieder der jetzige Stand eintritt, in 
31000 Jahren die südliche Erdhälfte wieder geringere Erkältung 
hat, in 41500 die nördliche, in 52000 Jahren wieder die süd- 
liche u. s. w. 
In den nächsten 24000 Jahren nimmt aber die Excentricität 
der Erdbahn noch weiter ab, bis zu ihrem Minimum, zu welcher 
Zeit die Erdhälfte, welche den Sommer in der Sonnenferne hat, nur 
noch 4—5 Sommertage mehr haben wird als die andere; dann 
nimmt sie wieder zu, bis sie nach weiteren 24000 Jahren den jetzigen 
Stand wieder erreicht (um von da an zu wachsen), und es hat also 
die Excentricität in diesen nächsten 48000 Jahren keinen nach- 
teiligen Einfluss auf das Klima der Erde. — Von da an nimmt sie 
wieder allmählich zu und es werden die Winter auch kälter, daher 
diejenige Erdhälfte, welche den Winter in der, Sonnenferne hat, 
einen immer längeren, schnee- und eisreicheren Winter bekommen 
wird; zunächst wird dies zwar noch nichts schaden, denn im fol- 
genden Sommer werden wegen der grösseren Nähe der Sonne auch 
heissere Tage sein und also der grössere Schnee- und Eisreichtum 
wieder abschmelzen. -— Indessen wächst nun die Excentricität 
immer mehr und wenn sie einen gewissen Grad erreicht, so haben 
die Winter in der Sonnenferne nicht bloss mehr Tage, sondern 
werden auch wegen der grösseren Entfernung von der Sonne und 
wegen der vermehrten Ausstrahlung der empfangenen Wärme immer 
kälter: es sammeln sich schliesslich so viele Schnee- und Eismassen 
an, dass die dann auch immer kürzer gewordenen Sommer sie nicht 
mehr ganz beseitigen können, sie daher jedes Jahr wachsen und 
nur durch eine sorgfältige mathematische Behandlung des Problems geprüft 
werden. Die Zahl der denkbaren Ursachen einer Eiszeit ist eben mannigfaltig, 
die grösste Wirkung wird die Konkurrenz mehrerer hervorbringen. 
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