Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

Fossilführende Schichten in der oberen Anhydrit- 
gruppe bei Künzelsau. 
Von Schullehrer Friedrich Hermann in Kocherstetten. 
Der mittlere Muschelkalk, welcher in unserem Land Anhydrit, 
Gips und Steinsalz enthält, gilt bekanntlich allgemein als ein an 
Versteinerungen sehr armes Gebirgsglied. Es war daher für 
mich eine angenehme Überraschung, als ich hier im „Erlesbach“ in 
einem aus dieser Abteilung stammenden weissen Dolomitblock ein 
Knochenstück von einem Saurier fand. In der Hoffnung, noch weitere 
dazugehörige Teile zu erlangen, fing ich an, auch die anderen ähn- 
lichen Blöcke, die noch herumlagen, zu durchsuchen und spaltete 
dabei ein schönes Zähnchen von Acrodus lateralis, sowie Serrolepis 
heraus. Ermutigt durch dieses «Ergebnis setzte ich meine Nach- 
forschungen den Sommer hindurch fort und entdeckte im Geschiebe 
des Baches im Dolomit und schwärzlichen Stinkkalk einen Saurier- 
wirbel, Zähne von den Fischen Polyacrodus, Palaeobates angustissi- 
mus, Fischschuppen von Colobodus etc., sowie Steinkerne von Myo- 
yhoria vulgaris und cardissoides, Gervilli@ costata und Lingula 
tenwissima. Herr Prof. Dr. E. Frass, der die Güte hatte, meine 
Funde zu bestimmen, hat die besten Stücke davon in die Vereins- 
sammlung aufgenommen. 
Die zwei Dutzend Fundstücke waren ein erfreulicher Beweis 
für die Thatsache, dass zur Zeit, als diese offenbar den oberen 
Schichten der Anhydritgruppe angehörigen Bänke in unserer Gegend 
abgelagert wurden, das Meer belebt war von allerlei Tieren; wenn 
wir vielleicht auch 30 cm dicke Blöcke in lauter dünne Schiefer 
zerspalten müssen, um als Ausbeute nur eine einzige Schuppe zu 
erhalten, so dass es uns nicht mehr wundert, wenn bis in die neueste 
Zeit herein die geologischen Leitfäden behaupteten, die mittlere Ab- 
teilung des Muschelkalkes sei bei uns leer an Petrefakten.
	        

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